BRIEFE

Pharma-Sponsoring: Wo bleibt die Therapie?

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1081 / B-901 / C-843

Schäffler, Arne

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Die „diagnostischen Betrachtungen” Prof. Finzens zu den Verflechtungen zwischen Pharmaindustrie und Ärzteschaft sind zutreffend, und wer wie der Autor dieses Leserbriefes als Arzt eine leitende Marketingfunktion in einem Pharmaunternehmen innegehabt hat, kann nur bestätigen, dass ein hoher Prozentsatz der Energie im heutigen Pharmavertrieb auf die Beeinflussung speziell der „opinion leaders” verwandt wird. Was ich vermisst habe im Artikel von Finzen, sind Vorschläge, wie das Problem zu lösen wäre. Von der Industrie kann diese Lösung nicht kommen. Zwei Wege sind effektiv und bedenkenswert, zudem sie ohne den Gesetzgeber zu realisieren wären:
Erstens, die Verabschiedung eines Codes of Conduct durch die ärztlichen Selbstverwaltungsorgane. Dieser sollte aufzählen und begründen, was an Beziehungsgestaltung und was an Zuwendungen zwischen Industrie und Ärzteschaft erlaubt ist und was nicht – unter besonderer Berücksichtigung von Meinungsbildnern und Hochschulmedizinern. Durch diesen Code of Conduct wäre ein Maßstab geschaffen, auf den sich Ärzte berufen können – aber an dem sie sich auch zu messen lassen haben.
Zum Zweiten, mehr Transparenz. Beziehungen zwischen Pharmaindustrie und Ärzten sind für den Fortschritt der Medizin notwendig. Aber es ist nicht einzusehen, warum diese nicht an den Schnittpunkten möglicher Interessenkonflikte offengelegt werden; bei Veröffentlichungen, bei gutachterlichen Tätigkeiten, erst Recht natürlich bei Tätigkeiten in Gremien wie der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft.
Was wir Ärzte zuallerletzt zu wünschen haben, wäre das General-Klischee eines korrumpierbaren und käuflichen Berufsstandes. Dies breitet sich aber in Ansätzen bereits aus. Um dies zu stoppen, wären die genannten Maßnahmen zur Therapie und Sekundärprävention ein Meilenstein.
Dr. med. Arne Schäffler, Bippenwaldstraße 19, 83088 Kiefersfelden
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