ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2002Toxoplasmose in der Schwangerschaft: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Toxoplasmose in der Schwangerschaft: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1108 / B-948 / C-855

Groß, Uwe

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Obwohl die Toxoplasmose-Diagnostik in Deutschland durch externe Ringversuche einer gewissen Qualitätskontrolle unterliegt, gibt es bis heute keine allgemein standardisierten Testverfahren, die für alle Laboratorien bindend ist.
Das hat zum Beispiel zur Folge, dass zum Teil in Abhängigkeit vom Hersteller unterschiedliche Referenzwerte für Testverfahren angegeben werden, was sich letztendlich in unterschiedlichen Laborstandards widerspiegelt. Dem hat sowohl die Robert-Koch-Instituts-Kommission „Toxoplasmose und Schwangerschaft“, als auch ein Expertengremium Mikrobiologische Infektiologische Qualitätsstandards (MiQ) im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) Rechnung getragen und bei bestimmten Befunden empfohlen, eine weitergehende Diagnostik durch Beratungsstellen für die Laboratoriumsdiagnostik beziehungsweise von Speziallaboratorien durchführen zu lassen (1, 2). Diese Laboratorien haben in der Regel durch Multicenterstudien ihre Kompetenz auf dem Gebiet der Toxoplasmosediagnostik unter Beweis gestellt.
Die Existenz dieser für die Toxoplasmosediagnostik empfohlenen Laboratorien soll aber keinesfalls als Schmälerung der Expertise anderer Laboratorien missverstanden werden. Das gilt ebenso für die Durchführung des IgG-Aviditätstests wie auch für die Durchführung der PCR. Insbesondere im Hinblick auf die PCR muss aber auch hier wieder auf die mangelnde Standardisierung der Verfahren hingewiesen werden, die zu diskordanten Ergebnissen bei Durchführung in unterschiedlichen Laboratorien führen kann (3).
Somit denken wir, dass die Erfahrungen mit den beiden erwähnten Methoden im Hinblick auf den Routinelaborbereich zurzeit noch nicht ausreichend sind, sodass eine allgemeine Stellungnahme hierzu für verfrüht erachtet werden muss.
Es ist in der Tat so, dass im Gegensatz zum Lues-Suchtest das Screening auf Toxoplasmose derzeit keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge darstellt und von den Schwangeren zum Beispiel als individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) selbst bezahlt werden muss. Dies hat zur Folge, dass eine solche Untersuchung oft nicht durchgeführt wird. Nicht nur unsere Erfahrungen, sondern auch die an das Robert Koch-Institut erfolgten Meldungen über pränatale Infektionen der vergangenen Jahre belegen, dass die pränatale Toxoplasmose weitaus häufiger ist, als zum Beispiel die pränatale Lues (4).
Genau wie die Kollegen der Gemeinschaftspraxis Dr. med. Bernd Schottdorf sowie Kollege Prof. Dr. med. Oliver Liesenfeld sind auch wir der Meinung, dass die Einführung einer Routineuntersuchung aller Schwangeren sinnvoll ist. Insofern danken wir sehr dafür, dass wir mit dieser Stellungnahme die Gelegenheit haben, diese Thematik wieder in die Diskussion bringen zu dürfen. Es wurden und werden in steter Regelmäßigkeit nationale und europäische Kongresse abgehalten und Studien durchgeführt, bei denen es um die Frage nach der Notwendigkeit und dem volkswirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Gewinn der Einführung eines Routinescreenings geht. Die Beantwortung dieser Frage hängt vor allem von der Bedeutung der Toxoplasmose als Gesundheitsproblem ab, die aber nur im Zusammenhang der Kenntnis der Prävalenz in einem bestimmten Land geklärt werden kann (5).
Da hierüber keine verlässlichen Daten für die gesamtdeutsche Situation existieren, ist die Etablierung einer Multicenterstudie dringend geboten, die sich zum Beispiel in Kombination mit dem PKU-Test leicht und relativ kostengünstig realisieren ließe (6). Es bleibt zu hoffen, dass eine solche Studie breite Unterstützung auf allen Ebenen erfährt.

Literatur
1. RKI. Beratungsstellen für die Laboratoriumsdiagnostik sowie Klinik und Therapie der Toxoplasma-Infektion bei der Schwangeren- und Kinder-Vorsorge. Bundesgesundheitsbl 1999; 42: 610–611.
2. Janitschke K, Kimmig P, Seitz HM et al.: MIQ – Parasitosen. Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1998: 55–60.
3. Guy EC, Pelloux H, Lappalainen M et al.: Interlaboratory comparison of polymerase chain reaction for the detection of Toxoplasma gondii DNA added to samples of amniotic fluid. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 1996; 15: 836–839.
4. RKI. Epidemiologisches Bulletin 1999, 2000.
5. Foulon W: Congenital toxoplasmosis: Is screening desirable? Scand J Infect Dis 1992; 84 (Suppl): 11–17.
6. Lebech M, Andersen O, Christensen NC et al.: Feasibility of neonatal screening for Toxoplasma infection in the absence of prenatal treatment. Lancet 1999; 353: 1899–1900.

Für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Uwe Groß
Abteilung für Bakteriologie
Universitätsklinik Göttingen
Konsiliarlaboratorium für Toxoplasma
Kreuzbergring 57
37075 Göttingen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige