ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2002Philatelie: Die ersten Ärztinnen

VARIA: Feuilleton

Philatelie: Die ersten Ärztinnen

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1109 / B-922 / C-864

Wallossek, Rudolf

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In vielen Ländern war Frauen der Zugang zum Medizinstudium verwehrt.

Auch nach Gründung der ersten Universitäten – Bologna in Italien zu Beginn des 13. Jahrhunderts und Prag in Mitteleuropa Mitte des 14. Jahrhunderts – blieben deren Pforten für Medizinstudentinnen verschlossen, teilweise bis Ende des 19. Jahrhunderts. Relativ frühzeitig gegenüber anderen europäischen Ländern konnte in Deutschland Dorothea Christina von Erxleben, geborene Leporin, ihr Doktordiplom schon am 12. Juni 1754 entgegennehmen. Es bedurfte jedoch auch im Fall der Pastorentochter aus Quedlinburg mehrerer Eingaben und der Überwindung hartnäckiger Widerstände gegenüber ihren ärztlichen Kollegen (Abbildung 1).
Jenseits des großen Teichs hatte die gebürtige Engländerin Elizabeth Blackwell nicht weniger Widerstände zu überwinden, um nach vorangegangenem Privatstudium Zugang zur Geneva Medical School im Staat New York zu finden und um dort schließlich 1849 als erste Ärztin in den USA zur Dr. med. promoviert zu werden (Abbildung 2). Die Begegnung mit Elizabeth Blackwell führte bei der Engländerin Elizabeth Garrett zu dem Entschluss, ebenfalls Ärztin zu werden, jedoch löste schon ihr Privatunterricht ein Veto aus, das die Studien beendete. Weil die Universität von Paris bereits 1865 ihre Pforten für ein Frauenstudium geöffnet hatte, machte sie hiervon Gebrauch und erwarb 1870 als erste Ärztin der Sorbonne den medizinischen Doktorgrad. Unter ihrer Mitwirkung wurde 1876 die Londoner Medical School eröffnet, deren Dekan sie 1883 wurde (Abbildung 3).
Nach Beendigung ihres Medizinstudiums in Zürich erhielt die ungarische Gräfin Vilma Hugonnay 1890 ihr Arztdiplom. Ihr andauernder Kampf um dessen Anerkennung in ihrer ungarischen Heimat hatte schließlich Erfolg, woraufhin sie 1897 auch dort als Ärztin promoviert wurde (Abbildung 4).
Die Kanadierin Jennie Kid Trout konnte mit dem mit Abschluss ihres Medizinstudiums in den USA erworbenen Grad in Kanada nicht praktizieren. Erst ein zusätzliches Studium in Toronto machte dies möglich. Sie wurde die erste praktizierende Ärztin Kanadas (Abbildung 5). In Kanada absolvierte Stella Abidh ihr Medizinstudium und wurde dann in ihrem Heimatland Trinidad die erste Beamtin für öffentliche Gesundheit (Abbildung 6).
Viele der ersten Ärztinnen ihrer Länder mussten sich zu ihrem Medizinstudium in die USA begeben. So auch Honoria Acosta Sison, die als Frauenärztin von 1910 an am Philippine General Hospital praktizierte (Abbildung 7).
Auch in Australien war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Medizinstudium noch nicht möglich. Nachdem auch Constance Stone ihr Studium in den Staaten absolviert hatte, eröffnete sie gegen großen Widerstand und viele Vorurteile in Melbourne eine Praxis, die sich schon bald lebhaften Zuspruchs erfreute (Abbildung 8).
Lin Qiaozhi, die in England Medizin studierte, wurde 1949 Leiterin und Professorin des Departements für Gynäkologie und Geburtshilfe am Union Hospital und als Leiterin der Abteilung Biologische Wissenschaften das erste weibliche Senioren-Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Abbildung 9).
In Japan studierte Yayoi Yoshioka an einer Privatschule Medizin und erfuhr nach bestandener Hauptprüfung im Jahr 1892 ihre klinische Ausbildung an einem Hospital. Sie war es auch, die im Jahr 1900 die erste japanische Medizinschule für Frauen gründete (Abbildung 10, die linke der beiden Frauen). Raliveo Ramiaraminana war die erste approbierte Ärztin des Inselstaates Madagaskar (Abbildung 11).
Nach einer Tätigkeit als Lehrerin studierte Cecilia Grierson an der Universität von Buenos Aires Medizin, erwarb 1889 ihren Doktor-
grad und wurde so die erste argentinische Ärztin (Abbildung 12).
Noch Ende des 19. Jahrhunderts war in vielen Ländern Frauen der Zugang zum Medizinstudium verwehrt; es gelang nur einigen wenigen auf Umwegen dieses Tabu zu umgehen.
Dr. med. Rudolf Wallossek
Herzogenfeld 9, 51519 Odenthal
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