ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2002Kunst und Psyche: Bürde und Schutz

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Kunst und Psyche: Bürde und Schutz

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1110 / B-943 / C-886

Kraft, Hartmut

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„Falken selbdritt“, Mischtechnik auf Papier, 65 cm x 50 cm, signiert, datiert 22. Januar 1980 Biografie Herbert Falken: Geboren 1932 in Aachen. 1953 Kaufmannsgehilfenprüfung, 1958 Abitur, 1964 Priesterweihe. Ab 1974 teilweise Freistellung von der seelsorgerischen Arbeit zugunsten der künstlerischen Tätigkeit. Religiöse, vor allem aber existenzielle Themen werden in Bilderzyklen ausgearbeitet. 1977 Beteiligung an der Documenta. Lebt in Langenbroich/ Eifel.
„Falken selbdritt“, Mischtechnik auf Papier, 65 cm x 50 cm, signiert, datiert 22. Januar 1980 Biografie Herbert Falken: Geboren 1932 in Aachen. 1953 Kaufmannsgehilfenprüfung, 1958 Abitur, 1964 Priesterweihe. Ab 1974 teilweise Freistellung von der seelsorgerischen Arbeit zugunsten der künstlerischen Tätigkeit. Religiöse, vor allem aber existenzielle Themen werden in Bilderzyklen ausgearbeitet. 1977 Beteiligung an der Documenta. Lebt in Langenbroich/ Eifel.
Anna selbdritt“ ist in der Kunstgeschichte ein bekannter Bildtitel für die gemeinsame Darstellung von Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesusknaben. Auf mittelalterlichen Darstellungen erscheint Anna als die „große Mutter“. Erst Leonardo da Vinci stellte beide Frauen gleich groß und das Kind in Relation zu ihnen dar. In seiner Studie „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci“ (1910) hat Sigmund Freud diesem Gemälde große Aufmerksamkeit gewidmet.
Vor diesen Hintergrund stellt sich Herbert Falken, wenn er sein Bild „Falken selbdritt“ betitelt. Das „selbdritt“ (eine veraltete Bezeichnung für „zu dritt“) ist hier völlig anders aufgefasst als aus der Kunstgeschichte bekannt. Drei Köpfe entwickeln sich, einer aus dem anderen, und je größer die Köpfe werden, desto weniger menschlich sind sie gestaltet. Der größte Kopf erscheint als ein unheimlicher, dunkler Tiermensch mit wallender Mähne. Der Kontrast zu den Mutterfiguren von „Anna selbdritt“ könnte größer nicht sein. Falken thematisiert das Archaische, das Rohe, das Unfassliche. Es ist, wenn überhaupt, eher eine männliche als eine weibliche Linie der Vorfahren – letztlich dürfte die Trias von Vater, Sohn und Heiliger Geist angesprochen sein. Als Künstler stellt Falken sich in seinem Selbstporträt in einen religiösen Zusammenhang und weist sich selbst die Christusrolle oder Christusnachfolge zu: der Künstler als Leidender, als von der Gesellschaft, von seiner Zeit Unverstandener, der sich aber – allen Selbstzweifeln zum Trotz – in übergeordneten Strukturen aufgehoben weiß. Das Dramatische und Bedrängende dieses Selbstbildnisses erweist sich als Bürde wie als Schutz
des Künstlers gleichermaßen. Herbert Falken ist nicht nur Künstler, sondern auch katholischer Priester. Nicht zuletzt vor diesem biografischen Hintergrund erhält das Bild seine besondere Bedeutung. Hartmut Kraft
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