ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002Apotheker: Initiative gegen Versandhandel

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Apotheker: Initiative gegen Versandhandel

Dtsch Arztebl 2002; 99(17): A-1120 / B-952 / C-894

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Apotheker sammeln Unterschriften.

Mit der bundesweiten „Initiative pro Apotheke“ wehren sich die Apotheker gegen Bestrebungen, den Versandhandel bei Arzneimitteln zu legalisieren. Die flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung durch unabhängige Apotheken könne im Falle der Zulassung des Versandhandels nicht mehr gewährleistet werden, warnte der Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf, beim Start der Initiative am 19. April in Berlin.
Als erste Maßnahme starten die Apotheker eine Unterschriftenaktion bei ihren Kunden. Dazu hat die ABDA allen 21 600 Apotheken ein Paket mit Informationsbroschüren und Plakaten zur Verfügung gestellt. Die Unterschriftenlisten sollen noch vor der parlamentarischen Sommerpause den Politikern präsentiert werden. Unterstützt wird die Initiative von Radiospots und Zeitungsanzeigen. Die Gesamtkosten der Aktion schätzt die ABDA auf eine Million Euro.
Der Versandhandel über das Internet biete weder einen Nacht- und Notdienst noch eine Anfertigung von Individualrezepturen, betonte Wolf. Zudem verfügten die Versandhändler aus wirtschaftlichen Gründen oft nur über 1 000 bis 2 000 Medikamente. Die unabhängigen Apotheken hätten dagegen etwa 12 000 Medikamente auf Lager und seien bereit, georderte Präparate auch ans Patientenbett zu liefern.
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) hatte sich kürzlich für die Zulassung des Versandhandels nach der Bundestagswahl ausgesprochen. Auch die Krankenkassen erwarten dadurch Einsparungen in Milliardenhöhe. Bisher sei jedoch das Versandhandelsverbot im Arzneimittelgesetz festgeschrieben und stehe damit in vollem Einklang zur EU-Gesetzgebung, erklärte Wolf. Ein solches Verbot existiere immerhin in zwölf von 15 EU-Staaten.
Wolf verwies auf das hohe Qualifikationsniveau der Apotheker und ihre Beratungskompetenz. Dass einige Apotheken bei einer Stichprobe des ARD-Wirtschaftsmagazins „plusminus“ ihrer Beratungspflicht beim Verkauf von Nasentropfen nicht gründlich nachgekommen waren, bedauerte er. Wolf bezweifelte jedoch die Methodik dieses Tests. Die beim Test besser bewertete niederländische Versandapotheke „DocMorris“ hätte der Sender schon einmal beworben.
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