ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002Interview zur Approbationsordnung: Vor der Entscheidung

POLITIK

Interview zur Approbationsordnung: Vor der Entscheidung

Clade, Harald

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Ulla Schmidt: „Erleichterungen“ Foto: dpa
Ulla Schmidt: „Erleichterungen“ Foto: dpa
Der Bundesrat will am 26. April über die
Reform der Approbationsordnung entscheiden.

Nachdem bereits vor geraumer Zeit der Bundesratsausschuss für Gesundheit der 9. Novelle zur Reform der Approbationsordnung für Ärzte zugestimmt hat, gab am 4. März der Kultusausschuss der Länder „grünes Licht“. Nun hat am 11. April auch der Finanzausschuss letzte Bedenken ausgeräumt und damit den Weg für einen abschließenden Beschluss im Bundesratsplenum am 26. April freigemacht – für eine Reform, die dort seit 1997 auf Eis liegt. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt geht im Interview auf wesentliche Inhalte ein.
DÄ: Nach der letzten „großen“ Reform des Medizinstudiums 1970 und danach erfolgten kleineren Novellen scheint jetzt ein Durchbruch zur grundlegenden Reform des Medizinstudiums gelungen zu sein. Welches sind die wesentlichen Inhalte der 9. Novelle?
Ulla Schmidt: Die Reform hat folgende Schwerpunkte: Anpassung an die veränderten Anforderungen in der medizinischen Versorgung, die Verzahnung von theoretischem und klinischem Unterricht, der Ausbau des fächerübergreifenden und gegenstandsbezogenen Unterrichts, die Verbesserung des Unterrichts am Krankenbett, die Reform des Prüfungswesens, die Stärkung der Allgemeinmedizin und die Evaluation der Lehre.
DÄ: Wie wurden der Fächerkanon und die prüfungsrelevanten Pflichtfächer neu gegliedert und auf die Notwendigkeit, Vorklinik mit klinischem Unterricht besser zu verzahnen, abgestimmt?
Ulla Schmidt: Das Medizinstudium soll künftig nicht mehr nur an den einzelnen Fachgebieten ausgerichtet werden, sondern krankheitsbezogen sein. Der Unterricht wird deshalb verstärkt fächerübergreifend gestaltet. So werden Querschnittsbereiche geschaffen, die von den Hochschulen angeboten und geprüft werden müssen. Die Inhalte werden themenbezogen am Gegenstand ausgerichtet, problemorientiert und fächerverbindend vermittelt. Der gegenstandsbezogene und fächerübergreifende Unterricht findet sein Spiegelbild in der Neugestaltung der Prüfungen, deren Ausrichtung ebenfalls entsprechend verändert wird.
Die Verzahnung von Vorklinik mit klinischem Unterricht erfolgt insbesondere durch zwingend vorgeschriebene integrierte Veranstaltungen, in die geeignete klinische Fächer einbezogen werden.
DÄ: Inwieweit wurden in der Kompromissfassung des Verordnungsentwurfs auch den Forderungen der Studentenschaft, der Universitäten und Hochschullehrer Rechnung getragen? Bis zuletzt blieb die Abschlussprüfung im letzten Staatsexamen umstritten. Hier hatte sich die Fachtagung Medizin als Vereinigung der Medizinstudenten in einer bundesweiten Aktion für die Aufsplittung des Examens in einem schriftlichen Teil vor und einen mündlich-praktischen Teil nach dem Praktischen Jahr (PJ) eingesetzt.
Ulla Schmidt: Die insbesondere von Studenten und Studentinnen kritisierte Abschlussprüfung wird in der Kompromissfassung deutlich erleichtert. Zum einen wird die Anzahl der Fragen, die in der Prüfungszeit zu beantworten ist, von 400 auf 320 gesenkt. Zum anderen wird in der AO ausdrücklich klargestellt, dass die Abschlussprüfung im Wesentlichen aus Fallstudien häufig vorkommender Fälle bestehen muss, also nicht mehr auf Einzelfragen aus abgelegenen Spezialgebieten abstellen darf. Schließlich wird den Studenten eine größere Vorbereitungszeit für die Abschlussprüfung eingeräumt.
Studenten-Demo für eine bessere Ausbildung Foto: Philip Bludau
Studenten-Demo für eine bessere Ausbildung Foto: Philip Bludau
DÄ: Die Medizinstudenten klagten darüber, dass die in der neuen Approbationsordnung vorgesehene Schluss-prüfung nach dem PJ eine unzumutbare Belastung bedeuten würde. Andererseits hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium noch im April den Studenten zugestanden, ihnen nach dem PJ eine zusätzliche zweimonatige Lehrphase einzuräumen. Wie steht es damit, und wie steht es mit den Forderungen auch der Ärzteschaft, die Bundesärzteordnung im Anschluss an die Reform zu ändern und den Arzt im Praktikum zu kippen, wenn eine praxisnähere Ausbildungsordnung verabschiedet ist?
Ulla Schmidt: Hinsichtlich der Abschlussprüfung kann von einer unzumutbaren Belastung angesichts der bereits erwähnten Erleichterungen keine Rede mehr sein. Der Arzt im Praktikum, der seit langem umstritten ist, wird für alle diejenigen entfallen, die das neue reformierte Studium durchlaufen. Die Abschaffung des AiP erfolgt in einem gesonderten Gesetzgebungsverfahren, weil hierzu nicht allein die Approbationsordnungen für Ärzte, sondern auch die Bundesärzteordnung als formelles Gesetz geändert werden müssen. Die Fragen stellte Dr. rer. pol.Harald Clade.

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