ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002Kinder: Leben braucht Zuwendung
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LNSLNS Ein zentraler Gesichtspunkt ist in der Arbeit und in den mutigen Erwiderungen bisher nicht thematisiert worden: Wo ist die Solidarität mit der weit größeren Zahl von Müttern und Vätern, die ebenso „fortpflanzungswillig“ sind ? Wie geht es den Eltern der circa Dreiviertelmillion Kinder, die alljährlich auf natürlichem Wege geboren werden? Wie viele Zigtausende von Müttern leiden unter dem Spagat zwischen Familie und Beruf? Wie viele Kinder leiden unter dem Frust der „arbeitslosen“ Eltern? Wie vielen Eltern fehlt andererseits (wegen Überstunden, aus Angst den Job zu verlieren) die Zeit für Zuwendung – und welche Folgekosten (Polizei, Sozialarbeiter, Justiz, Heime) zieht das nach sich? Aber auch: Wo ist die wirtschaftlich-finanziell äquivalente Entscheidungsfreiheit für eine schwangere Frau zwischen dem Schwangerschaftsabbruch und 18 Jahren Lebenshaltungskosten für das kommende Kind? Wie viele der weit über 100 000 (1999: 126 776) pro Jahr nach Beratungsregelung abgebrochenen Schwangerschaften wären ausgetragen worden, wenn Kinder in dieser Gesellschaft nicht zum finanziellen Risiko der Eltern (beziehungsweise allein stehenden Mütter) würden?
Medizin wird krank, wenn sie sich neben der traditionell naturwissenschaftlich assistierten Verlängerung des Lebens nun auf dessen artifizielle Schaffung konzentriert und dabei vergisst, was natürlich entstehendes und entstandenes Leben braucht: Zuwendung, ein wohnliches und emotionales Zuhause, Persönlichkeitsbildung, langfristige Lebensperspektive für die junge Generation usw. Dies mit medizinisch-wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Kompetenz einzufordern, wäre der beste Dienst an den „fortpflanzungswilligen Schichten“.
Dr. Heinrich Günther, Lönsstraße 12, 01259 Dresden
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