ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002Neurovaskuläre Kompression des Hirnstamms als eine mögliche Ursache der arteriellen Hypertonie: Weitere Ergebnisse

MEDIZIN: Diskussion

Neurovaskuläre Kompression des Hirnstamms als eine mögliche Ursache der arteriellen Hypertonie: Weitere Ergebnisse

Dtsch Arztebl 2002; 99(17): A-1172 / B-999 / C-936

Luft, Friedrich

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LNSLNS Zur arteriellen Hypertonie und neurovaskulären Kompression sind noch viele Fragen offen. Diese umfassen unter anderem Pathomechanismen, Ursachen der arteriellen Hypertonie, Diagnostik und Therapie bis hin zu ethischen und ökonomischen Problemen. Über die vorläufigen Ergebnisse aus unserer ersten prospektiven Studie zur operativen Behandlung (mikrovaskuläre Dekompression) der therapieresistenten arteriellen Hypertonie der seit 1992 bestehenden Arbeitsgruppe an der Universität Erlangen-Nürnberg hat Herr Geiger 1998 berichtet (1). Inzwischen hat die Gruppe in Erlangen einen Langzeitverlauf von über sechs Jahren vorgestellt und die operativen Erfahrungen auf zwölf Patienten ohne wesentliche Morbidität erweitern können (2, 3). In diesem Kollektiv mit maligner Hypertonie wurde eine positive Beeinflussung des Blutdrucks mit Normalisierung beziehungsweise signifikanter Reduktion der erforderlichen Medikation zur Normalisierung bei 80 Prozent und bei 50 Prozent über fünf Jahre beobachtet. Inwieweit eine Erweiterung der Indikation zur Operation auch auf Patienten in einem nicht so ungünstigen Stadium der Erkrankung einen noch besseren Erfolg ergeben wird, bleibt abzuwarten (3). Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt mit dem Titel „Neurovaskuläre Kompression der ventrolateralen Medulla oblongata – ein pathogenetisches Prinzip für die essenzielle Hypertonie“ wird mit Unterstützung der DFG in Erlangen betrieben. Wie uns aus den Erfahrungen von anatomischen Studien und MRT-Untersuchungen von über 300 Patienten mit neurovaskulären Kompressionssyndromen bekannt ist, bedarf die Durchführung und Interpretation von Kernspintomographien zur Selektion geeigneter Patienten für eine eventuelle Operation einer speziellen Erfahrung (4, 5). Wie auch Herr Geiger möchten wir nochmals betonen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die notwendigen weiteren Erfahrungen nur an interdisziplinär kooperierenden Zentren mit entsprechender Expertise unter strengen kontrollierten Studienbedingungen vervollständigt werden sollen, um schmerzliche, nicht vertretbare Rückschläge zu vermeiden (1, 2, 3). Dies macht auch die Notwendigkeit der weiteren engen Zusammenarbeit der auf diesem Gebiet aktiv Forschenden deutlich.

Literatur
1. Geiger H, Naraghi R, Schobel HP, Frank H, Sterzel B, Fahlbusch R: Decrease of blood pressure by ventrolateral medullary decompression in essential hypertension. The Lancet 1998; 352: 446–449.
2. Frank H, Schobel HP, Heusser K, Geiger H, Fahlbusch R, Naraghi R: Long-term results after microvascular decompression in essential hypertension. Stroke 2001; 32: 2950–2955.
3. Naraghi R, Fahlbsuch R: Microvascular decompression for the treatment of hypertension. Operative techniques in neurosurgery 2001; 4: 153–161.
Dr. med. Ramin Naraghi
Prof. Dr. med. Rudolf Fahlbusch
Prof. Dr. med. Walter Huk
Neurochirurgische Klinik
Dr. med. Helga Frank
Prof. Dr. med. Hans Schobel
Medizinische Klinik IV
Universität Erlangen-Nürnberg
Schwabachanlage 6
91054 Erlangen

Prof. Dr. med. Friedrich Luft
Nephrologie, Hypertensiologie, Genetik
Humboldt-Universität zu Berlin

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