ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002Hormonsubstitution: Estradiol jetzt auch als Nasenspray

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Hormonsubstitution: Estradiol jetzt auch als Nasenspray

Dtsch Arztebl 2002; 99(17): A-1175 / B-913 / C-831

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Nach Tabletten, Pflastern und Gel steht Estradiol zur Hormonsubstitution bei klimakterischen Beschwerden jetzt auch zur intranasalen Anwendung zur Verfügung. Mit dieser Einsatzform geht ein neues therapeutisches Konzept einher – die „gepulste Estrogentherapie“. Für nicht hysterektomierte Frauen wird ein „Kombispray“ entwickelt, das zusätzlich Gestagen enthält; die Studien laufen bereits.
Das Estrogen-Spray Aerodiol® wurde von der Firma Servier entwickelt. Wie Prof. Herbert Kuhl (Frankfurt/Main) erläuterte, erlaubt das Produkt eine relativ individuelle Anwendung, sowohl hinsichtlich der Dosierung als auch der zeitlichen Verteilung. Die Wirkung von zwei Sprühstößen zu 150 mg 17b-Estradiol entspricht pharmakokinetisch derjenigen von 50 mg transdermalem und 2 mg oralem Estradiol. Möglich wurde dies durch eine spezielle Galenik: Methyliertes b-Cyclodextrin als Lösungsvermittler ist zwar biologisch inert, erhöht die Wasserlöslichkeit des Steroids aber um das Tausendfache und macht damit erst die intranasale Gabe möglich. Maximale Blutspiegel werden nach zehn Minuten erreicht, nach zwei Stunden sind sie auf zehn Prozent gefallen, nach zwölf Stunden nicht mehr nachweisbar. Für eine sichere Wirkung ist dieser kurze Peak jedoch ausreichend, da die physiologische Wirkung aufgrund der genomischen Wirkung erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Einsatz eintritt, verdeutlichte Kuhl.
In randomisierten Studien nahmen die klimakterischen Beschwerden unter 300 mg/ die intranasal vergleichbar zuverlässig ab wie unter einer oralen Therapie mit 2 mg Estradiol oder aber der Therapie mit einem 50 mg-Membranpflaster, sagte Prof. Thomas von Holst (Heidelberg). Bei den Hitzewallungen war der Effekt bereits nach zwei Wochen signifikant besser als unter Placebo und nahm über den Prüfzeitraum von zwölf Wochen weiter zu.
Nebenwirkungen in Form von mäßigen und schweren Mastodynien waren nach Angaben des Referenten signifikant seltener als unter einem 50 mg Membranpflaster (7,2 versus 15,5 Prozent), verglichen mit oraler Substitution waren schwere Formen fünfmal seltener. Das Spray sei gut verträglich und verursache – bis auf ein Kribbeln oder eine laufende Nase – keine unerwünschten Wirkungen. Rhinoskopien nach einjähriger Anwendung hätten keine Veränderungen aufgewiesen, so von Holst. Bei Kombination mit Gestagenen wurden in 311 Endometriumsbiopsien keine Hyperplasien nachgewiesen.
Verglichen mit oralen
Estrogenen wird der Lipidstoffwechsel insofern positiv beeinflusst, als die Triglyceride nicht zunehmen und Lipoprotein etwas stärker gesenkt wird. Zur Osteoporose-Prophylaxe liegen noch keine Daten vor; verschiedene Surrogat-Parameter für den Knochenstoffwechsel signalisierten nach Aussage von Holst jedoch eine Normalisierung der Umbauvorgänge entsprechend denjenigen in der Prämenopause.
Als einen wesentlichen Vorteil werteten die Experten die Möglichkeit der individuellen Dosisanpassung: Die empfohlene Dosis von zwei Sprühstößen (300 mg) zeigt bei rund 80 Prozent der Frauen die erwünschte Wirkung, etwa ein Viertel bis ein Fünftel benötigen die doppelte und etwa vier Prozent die halbe Dosis. Auch eine probatorische Verringerung nach der Initialphase ist einfach. Die Wirkung unterscheidet sich auch nicht, wenn beide Stöße am Morgen oder aber einer morgens und einer abends appliziert werden. Dr. Renate Leinmüller
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