ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2002zu Aktien: Aufregende Langweiler

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Aufregende Langweiler

Dtsch Arztebl 2002; 99(17): [96]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Früher, als auf dem glatten Parkett alles noch ein wenig langsamer ging als heute und Kursausschläge über Monate hinweg kaum ein paar Prozentchen ausmachten, da gab es noch die so genannten Witwen- und Waisenpapiere.
Die hatten ihren schönen Namen deswegen, weil sie immer eine hübsche Dividendenrendite abwarfen und nie verkauft, allenfalls vererbt wurden. Allianz beispielsweise gehörten in die Spezies, daneben Münchener Rück, Siemens, Deutsche Bank, aber auch und vor allem RWE.
Und heute? Die Zeit der Witwen- und Waisenpapiere gibt es nicht mehr, seit das Auf und Ab der Märkte immer hektischere Ausmaße annimmt. Experten drücken dieses Phänomen gepflegter aus, die „Volatilität nähme progressiv zu“, was aber im Ergebnis gehupft wie gesprungen ist.
Wer sich über diese Entwicklung wundert, sei darauf verwiesen, dass es dafür zwei „Verantwortliche“ gibt, zum einen die Globalisierung der Weltmärkte, und zum anderen das exzessive Anwachsen der Spekulanten (milliardenschwere Hedgefonds).
Kurios genug, dass es aber auch in der heutigen Zeit Aktien gibt, die eher einen langweiligen Beigeschmack haben. Und, erstaunlich, RWE gehören wieder dazu. Die meisten Börsenkenner, oder die, die sich dafür halten, stufen RWE als „defensiven“ Titel ein. Insbesondere in der Phase einer anziehenden Konjunktur würden die Papiere wie eine bleier-
ne Ente in den Depots rumrutschen, Langweiler halt, mäkeln sie.
Davon kann, wenn es nach mir ginge, keine Rede sein. RWE ist ein Unternehmen mit ganz schön peppigem Zukunftsappeal, selbst wenn in den Köpfen der Analysten noch andere Muster vorherrschen. Der Essener Konzern bastelt mit Verve am Ausbau seiner Geschäftsfelder Entsorgung, Strom, Gas und Wasser. Letzteres wird zu einem enormen Wachstumsmotor gedeihen, mit glänzenden Gewinnchancen speziell in den nächsten 25 bis 30 Jahren.
In der Liga der aufregenden Langweiler würde ich neben RWE noch die BHW, die Deutsche Post und die Commerzbank mitspielen lassen. Wann der Applaus des Publikums einsetzt, ist allerdings eine Frage der Zeit. Und der Geduld.
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