ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002HIV-Impfstoff: Sprachliche Verwirrung

AKTUELL

HIV-Impfstoff: Sprachliche Verwirrung

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): A-1192 / B-992 / C-928

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
„Therapeutische Impfung“ bezeichnet keine präventive Impfung.
Meldungen über tatsächliche oder erhoffte Erfolge in der Aids-Impfstoff-Entwicklung haben zu einer verstärkten Berichterstattung zur Situation der HIV-Impfstoff-Forschung geführt. Die Deutsche Aids-Gesellschaft und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln, weisen in einer gemeinsamen Erklärung darauf hin, dass die Begriffe „Impfstoff“ und „Impfung“ dem medizinischen Laien einen umfassenden Schutz vor einer HIV-Infektion suggerieren, der in der Realität nicht gegeben ist. Bei den Veröffentlichungen handele es sich vielmehr um die „therapeutische Impfung“, mit der die Forscher bestimmte Entwicklungen in der Immuntherapie bezeichnen. Damit sei die Verabreichung eines Wirkstoffes bei bestehender HIV-Infektion – als Ergänzung der antiviralen Chemotherapie – zur Stärkung der Immunabwehr und Unterdrückung der Virusvermehrung gemeint.
Weil die Erfolgsaussichten dieses Therapieansatzes in letzter Zeit häufig sehr optimistisch in der Berichterstattung dargestellt werden, besteht nach Angaben der BZgA die große Gefahr, dass der in Deutschland erfolgreiche und wirksame Ansatz der Prävention durch Aufklärung mit dem Ziel der Verhaltensänderung beschädigt und somit auf die notwendigen Maßnahmen (insbesondere „Safer Sex“) verzichtet wird. „Daher schlagen wir vor, bei der Darstellung der wissenschaftlichen Ansätze deutlich zwischen den Begriffen ,HIV-Schutzimpfung‘ und ,Immunstimulierenden Therapien‘ zu unterscheiden“, heißt es in der Erklärung. So könne Missverständnissen und einem Nachlassen des Schutzverhaltens vorgebeugt werden.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema