ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1996Schlaganfall: Häufige Fehler bei der Akutbehandlung

SPEKTRUM: Akut

Schlaganfall: Häufige Fehler bei der Akutbehandlung

Vetter, Christine

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LNSLNS Rund 90 Prozent der Apoplex-Patienten erreichen in Deutschland zu spät eine auf die Behandlung des ischämischen Insultes eingerichtete Klinik, wie Wissenschaftler beim Interdisziplinären Forum der Bundes­ärzte­kammer in Köln betonten. Das hat verschiedene Gründe: So kennt man in der Öffentlichkeit kaum die Symptome des Hirninfarktes und schätzt ihn nicht als Notfall ein. Laut Prof. Karl Max Einhäupl (Berliner Charité) hängt die Prognose des Betroffenen nicht nur vom Ausmaß der Ischämie ab, sondern auch von den Akutmaßnahmen des erstbehandelnden Arztes sowie von der Zeit bis zur Ankunft in der Klinik. Denn die Zeitspanne für gute Behandlungschancen ist laut Einhäupl mit drei bis sechs Stunden deutlich kürzer als bislang angenommen. Ursache ist eine Vielzahl von Kaskadenreaktionen, die sich gegenseitig addieren oder potenzieren und die Zelle schließlich in eine metabolische Situation bringen, die eine Restitution nicht mehr zuläßt.


Wie schnell diese Prozesse ablaufen, hängt unter anderem von der Körpertemperatur und dem Glukosegehalt des Blutes ab. Als einen häufigen Fehler bei den Akutmaßnahmen nannte Einhäupl die Blutdrucksenkung. Diese Maßnahme wird inzwischen als obsolet angesehen, da sie die Restperfusion des Gehirns weiter mindert. "Der Blutdruck muß infolge der gestörten Autoregulation auf einem hohen Niveau stabilisiert werden", so Einhäupl. Sobald der Rettungswagen eingetroffen ist, sollte der Patient unverzüglich in die nächstgelegene Neurologie transportiert werden, zumindest jedoch in ein Krankenhaus, in dem eine Computertomographie durchgeführt werden kann. Patienten mit einer Gehirnblutung gehören nach Prof. Hans Christoph Diener (Essen) dagegen primär in die Neurochirurgie. Dies erfordert präklinisch eine gewisse Differentialdiagnose, die sich meist aus der Symptomatik ergibt.


Für eine Ischämie sprechen vorangegangene tran-sitorische ischämische Attacken (TIA), eine schrittweise Verschlechterung der klinischen Symptomatik, ein erhaltenes Bewußtsein, der Beginn der Beschwerden in den Morgenstunden und Hinweise auf atherosklerotische Erkrankungen wie koronare Herzerkrankung oder periphere arterielle Verschlußkrankheit. Dagegen muß eine Blutung vermutet werden, wenn die Beschwerden mit Kopfschmerzen – während des Tages und bei körperlichen Anstrengungen – begonnen haben. Auch ein lange vorbestehender und schlecht eingestellter Bluthochdruck weist nach Diener ebenso wie das Fehlen von Prodromi, eine rasche Ausbildung der neurologischen Ausfälle und Bewußtseinsstörungen bis hin zum Koma auf eine Blutung hin. Christine Vetter

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