ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002Mammographie: Erfahrene Radiologen befunden genauer

AKTUELL: Akut

Mammographie: Erfahrene Radiologen befunden genauer

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): A-1193 / B-993 / C-929

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Zahl der richtigen Mammographiebefunde steigt mit der Zahl der Bilder, die ein Arzt jährlich auswertet. Dies zeigt ein Vergleich von amerikanischen und britischen Radiologen im Journal of the National Cancer Institute (2002; 94: 369–75). In Großbritannien, wo die Mammographie an zentralen Einrichtungen vorgenommen wird, muss ein Arzt mindestens 5 000 Befunde jährlich durchführen. In den USA, wo sich die Radiologen nicht auf die Mammographie spezialisieren, werden nur 480 Mammographien pro Jahr gefordert. Laura Esserman von der Universität in San Francisco und Mitarbeiter haben 60 US-Radiologen und 194 britische Radiologen den PERFORMS-2-Test durchführen lassen. Er wird vom britischen National Health Service Breast Screening Programme zu Bildungszwecken eingesetzt und enthält 60 Bilder, darunter dreizehn mit einem Karzinom.

Ergebnis: Alle britischen Ãrzte befundeten besser als ihre US-Kollegen. Sie erkannten einerseits etwa elf der 13 Tumoren (83,5 Prozent) korrekt und waren sich andererseits bei sechs der gesunden 47 Frauen (zwölf Prozent) unsicher, sodass sie weitere Untersuchungen veranlassten. Die US-Radiologen, die monatlich mehr als 300 Aufnahmen auswerten, fanden im Durchschnitt nur etwa zehn der 13 Tumoren (78,6 Prozent). Die Trefferquote sank weiter auf etwa neun von 13 bei den Radiologen, die auf unter 300 (69 Prozent) beziehungsweise 100 Aufnahmen pro Monat kamen (71,5 Prozent). Radiologen mit weniger als 100 Aufnahmen pro Monat hätten zudem ein Drittel mehr gesunde Frauen zur weiteren Abklärung geschickt als die geübteren Kollegen: Sie waren sich bei acht der 47 Mammographie-Sätze von gesunden Frauen unsicher. Die Folge: In den USA ist die Zahl der Biopsien höher als in Großbritannien. Laut Esserman werden in den USA nur in 20 bis 25 Prozent der nichtchirurgischen Biopsien Karzinome entdeckt, in einigen Studien lag die Rate sogar nur bei elf Prozent. In Großbritannien und in Schweden, wo die Mammographie ebenfalls zentral durchgeführt wird, liege die Rate bei 30 bis 60 Prozent. Esserman schätzt die Kosten durch unnötige Biopsien in den USA auf mehr als eine Milliarde Dollar jährlich.

Dem stimmen Joann Elmore von der University of Washington School of Medicine und Patricia Carney von der Dartmouth Medical School im Editorial der gleichen Ausgabe (2002; 94: 321–323) nicht uneingeschränkt zu. In den Vereinigten Staaten sei das Risiko von Kunstfehlerklagen höher als in anderen Ländern. Viele Radiologen seien deshalb vorsichtig und würden lieber einmal zu häufig als zu selten eine Biopsie veranlassen. Nach Ansicht der US-Kommentatorinnen stimmt die künstliche Atmosphäre der Tests möglicherweise nicht mit der klinischen Realität überein. Rüdiger Meyer
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