ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002Ovarialkarzinom: Bluttest für Frühdiagnose in Entwicklung

POLITIK: Medizinreport

Ovarialkarzinom: Bluttest für Frühdiagnose in Entwicklung

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): A-1211 / B-1035 / C-967

Wellmann, Axel

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Krebserkrankungen lassen sich offenbar nicht nur mit cDNA arrays diagnostizieren, sondern auch anhand spezifischer Proteinfingerabdrücke. So berichten Wissenschaftler in „The Lancet“ (2002; 359: 572–579) von einem wichtigen Schritt zur Entwicklung eines verlässlichen Bluttestes für die Frühdiagnostik von Ovarialkarzinomen. Bisher werden diese Karzinome in aller Regel erst in einem inoperablen und nicht kurativen Stadium diagnostiziert. Heute übliche Bluttests – wie der Tumormarker CA 125 – sind wenig verlässlich. In einer Pilotstudie von mehr als 100 Patientinnen sah der neue Test vielversprechend aus. Sämtliche Karzinome wurden mit der Methode nachgewiesen, aber es gab falschpositive Ergebnisse in fünf Prozent der Fälle.
Das Testverfahren wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde, des Nationalen Krebsinstituts um die Dres. Liotta und Petricoin und der in Bethesda (Maryland) ansässigen Firma Correlogic Systems entwickelt und benötigt lediglich einen Tropfen Blut. Schon nach 30 Minuten liegt das Ergebnis vor.
Neue Chip-Technologie
Dieses Verfahren weist – anders als heute übliche Bluttests – nicht eine Substanz nach, sondern analysiert Muster von Proteinen, die Krebspatienten von Gesunden unterscheidet. Grundlage bildet eine Chip-Technologie, die von der Firma Ciphergen Inc. entwickelt wurde. Ihre ProteinChips sind kleine Metallstreifen, auf denen kleine aktivierte Oberflächen liegen. Diese binden Proteine aus Flüssigkeiten, wie Blut und Urin oder Gewebe. Nachdem die Proteine gebunden haben, werden nicht gebundene Bestandteile weggewaschen. Gebundene Proteine werden dann mit einem Laserstrahl von der bindenden Oberfläche gelöst und einer Massenspektrumanalyse zugeführt. Hier werden die Moleküle nach Masse und Ladung getrennt, und man erhält, ähnlich einer 2-D-Gelanalyse, einen „Proteinfingerabdruck“, ein Spektrum aus zahlreichen „peaks“. Die Spektren, die aus mehreren Tausend Signalen
bestehen, werden dann weiter mit einem Algorithmus der künstlichen Intelligenz, der extra zur Analyse der Spektren designt wurde, ausgewertet.
Zu Beginn haben die Wissenschaftler Spektren von 50 Patientinnen mit Ovarkarzinomen und 50 Gesunden untersucht. Mit dem Algorithmus gelang es, Clustermuster verschiedener Proteine, die ausschließlich bei Krebspatientinnen vorkamen, zu identifizieren. Die entsprechenden Moleküle wurden bisher nicht identifiziert, und die Funktion ist nicht bekannt. Doch für den Test, der sich lediglich auf spezifische Muster stützt, ist das nicht erheblich. Langfristig scheint es jedoch wünschenswert, auch dieser Frage nachzugehen.
Im nächsten Schritt wurden 116 Patientinnen, 50 mit Karzinomen und 66 Gesunde, mit dem in den Vorexperimenten gewonnenen Spektren untersucht. Von den Gesunden wusste man, dass sie kein Ovarialkarzinom hatten, da das Blut bereits vor fünf Jahren gewonnen wurde und in der Zwischenzeit kein Karzinom auftrat. Mit diesen neuen Untersuchungen wurde der Algorithmus weiter „trainiert“. Der Algorithmus identifizierte alle Tumorpatientinnen, einschließlich solcher, die einen Tumor in Stadium 1 haben und damit möglicherweise kurativ behandelt werden können. Bei drei Gesunden wurde aufgrund der Untersuchung falschpositiv ein Tumor vermutet. Die Qualität des Verfahrens muss nun an großen Kollektiven validiert werden.
Dr. med. Axel Wellmann, Bonn
E-Mail: axel-wellmann@yahoo.com

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema