ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002Kongressbericht: Medizinische Konsequenzen des Humangenomprojektes

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Kongressbericht: Medizinische Konsequenzen des Humangenomprojektes

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): A-1228 / B-1047 / C-979

Sewing, Karl-Friedrich

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LNSLNS U nter dem Titel „Das Genomprojekt und seine Konsequenzen für die Medizin“ berichtete Prof. Dr. H.-Hilger Ropers vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin, auf dem 26. Interdisziplinären Forum der Bundes­ärzte­kammer über die bisherigen Erfolge des weltweit operierenden Forschungsvorhabens zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Das Forum fand vom 10. bis zum 12. Januar 2002 statt. Er betonte, dass die nahezu abgeschlossene Sequenzierung des menschlichen Genoms einen wichtigen ersten Schritt zur Aufklärung der Funktion aller Gene und für das Verständnis der Lebensprozesse darstellt. Jedoch liegt die Aufklärung der Funktion aller Gene noch in weiter Ferne.
Besonders hervorzuheben ist, so Ropers, die Erarbeitung der Identität und Funktion der genetischen Varianten, die bei vielen Krankheiten wie zum Beispiel beim Diabetes mellitus, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beim Krebs eine Rolle spielen. Erst in vielen Jahren werde sich herausstellen, ob sich aus diesen Kenntnissen therapeutische oder präventive Maßnahmen ableiten lassen.
Keine voreilige Euphorie
Ropers verwies auf die bisherigen Erfolge bei der Klassifikation und Therapie maligner Tumoren unter Einbeziehung der genetischen Faktoren sowie bei der Aufklärung von Wirkungen von Antibiotika auf der Basis der Kenntnisse über dreidimensionale Strukturen von Proteinen und Zellorganellen.
Gleichzeitig warnte er vor einer unbegründeten Euphorie. Es wäre falsch zu glauben, dass man in absehbarer Zeit nahezu alle genetisch bedingten Krankheiten mithilfe einer Gentherapie heilen könne. Damit dies erreicht werden kann, sei noch sehr viel Grundlagenarbeit erforderlich, um die Verfahren zur Korrektur von Gendefekten in bestimmten Körperzellen und Organen effektiver und vor allem sicherer zu machen.
Molekularbiologische Untersuchung
Ein wichtiges Element bei der Einbindung genetischer Faktoren in die Kenntnisse von Krankheitsgeschehen und -ursachen ist nach Ropers auch die spezifische molekularbiologische Untersuchung von Personen und Familien.
In dem Zusammenhang machte Prof. Ropers auch einen Exkurs in die Berufspolitik, in dem er die Zentrierung humangenetischer Versorgung in Deutschland anmahnte. Diese ist sicher für extrem schwierige Fragen bedenkenswert, kann aber wohl die derzeitig vorhandene Struktur der humangenetischen Beratung kaum ersetzen.

Prof. Dr. med. Karl-Friedrich Sewing
Wissenschaftlicher Beirat
der Bundes­ärzte­kammer
Berliner Allee 20
30175 Hannover

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