ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs: Nicht vorurteilsfrei
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LNSLNS Eine Studie, insbesondere mit der von den Autoren beobachteten Fallzahl, ist ein sicher ausgesprochen sinnvolles und lobenswertes Verfahren, um die Wirksamkeit auch nicht standardmedizinischer Methoden zu prüfen. Leider ist der sprachliche Tenor des Artikels nicht so gehalten, dass mich die Vorurteilsfreiheit der beteiligten Prüfer überzeugt. Auch finde ich in einem wissenschaftlichen Artikel, mit der Vorstellung einer Studie, eine Diskussion der Gesamtkosten der Mistelextrakte in Deutschland fehl am Platze. Was mir jedoch bei der leider sehr unübersichtlichen Tabellierung der Ergebnisse auffällt, ist, dass im Vergleich zu rein operierten Patienten der Kontrollgruppe und Patienten der Gruppe, die operiert wurden und die Mistel erhielten, durchaus ein, auch für den Patienten deutlicher, signifikanter, positiver Effekt zugunsten der Mistel zu erkennen ist. Erst bei der Gruppe der bestrahlten Patienten, sowohl in Kontrolle als auch bei der Verumtherapie, fallen die prozentual höheren Rezidive, Fernmetastasen und Todesfälle auf.
Interessant ist, dass von allen Gruppen die nicht bestrahlte Patienten der Mistelgruppe am besten abschneidet. Warum wird dieses Ergebnis nicht intensiver diskutiert und herausgestellt und insbesondere, warum wird die Radiatio, mit ihrem hier doch sehr negativen Ergebnis, nicht in Frage gestellt? Oder habe ich die Zahlen falsch gelesen?
Ein weiterer Kritikpunkt an der Therapieart ist, dass unser Immunsystem ein sehr komplexes, kybernetisches System ist, sodass hier ein exakt auf einen bestimmten Mistellektingehalt standardisiertes Präparat ein wenig wie Reagenzglaschemie anmutet und nicht unbedingt sinnvoll ist. Vielmehr besteht durchaus die Erfahrung, dass leichte Schwankungen des immunogenen Reizes eher positive Wirkungen erzielen, als eine „standardisierte“ Therapie. Dieses trifft sicher auch für andere Reiztherapien, einschließlich Kneipptherapien, an biologischen Systemen mit Adaptationsphänomen zu.
Auch ist es durchaus nicht sinnvoll, im ersten Therapiejahr nach Krebsdiagnose eine so lange, wie von den Autoren erwähnte Pause einzulegen, vielmehr sollte das Mistelextrakt das erste Jahr nach Diagnosestellung kontinuierlich durchgegeben werden. Dieses entspricht zum Beispiel auch den Therapieempfehlungen der Firma Weleda bezüglich des Iscador. Auch ist es sicher nicht plausibel, vierwöchige Injektionspausen in diesem ersten kritischen Jahr zuzulassen. Logisch ist es jedenfalls nicht, dass man zuvor zwei Injektionen wöchentlich benötigt um das Immunsystem ausreichend zu stimulieren und dann vier Wochen diese Notwendigkeit nicht besteht. Warum wurde dieses falsche Konzept übernommen? Auch hier besteht Aufklärungsbedarf.
Dr. med Raimund Struck
Göringsgraben 11
34414 Warburg

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