ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs: Neue Daten
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LNSLNS Die Studie ist konsequent gemäß den Regeln durchgeführt, die sich die Autoren auferlegt haben und korrekt bewertet. Bedingungen, die 1992 zum Teil nicht bekannt sein konnten, könnten das Ergebnis aber modifizieren. Nach R. Grossarth-Maticek et al. (2001) überlebten prospektiv bei 396 vergleichbaren Malignompatientenpaaren die Patienten mit Iscador länger als ohne Viscumtherapie (4,23 respektive 3,05 Jahre; p < 0,001). Die Überlebenszeit stieg mit Zunahme des Selbstregulationsgrades (definiert als Eigenaktivität des Patienten, mit der er Wohlbefinden, inneres Gleichgewicht, Kompetenzgefühl und Fähigkeit zur Kontrolle von Stresssituationen herbeiführt). Aber bei vergleichbaren Selbstregulationsgraden lebten die Patienten mit Iscadorbehandlung länger als ohne Viscumtherapie (1,23–8,08 respektive 1,23–5,09 Jahre; p = 0,01). Somit wirkte Iscador nur bei mittleren und höheren Selbstregulationsgraden. Wieviele Selbstregulierer sind bei Menschen mit Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich zu erwarten? Eher weniger meines Erachtens (häufiger Nikotin- und Alkoholabusus) und besonders bei Bereitschaft zu einer randomisierten Doppelblindstudie. Denn nach Grossarth-Maticek waren bei Randomisierungswilligen innerhalb der Paare mit und ohne Iscador der mittlere Selbstregulationsgrad (2,69 respektive 2,65 nicht signifikant) und die Überlebenszeit (2,41 respektive 2,42 Jahre, nicht signifikant) niedrig; die Patienten mit und ohne Iscador, die eine Doppelblindstudie ablehnten, zeigten dagegen einen höheren Selbstregulationsgrad (3,92 respektive 3,45; p < 0,001) und eine längere Überlebenszeit (4,55 respektive 3,25 Jahre; p < 0,001). Somit würde eine Randomisation die Selbstregulierer methodisch bedingt aussondern und damit das Ergebnis zu Ungunsten der Viscumtherapie verzerren, das heißt, diese Art der Randomisation randomisiert nicht. – Unter den 396 Patientenpaaren mit identischem Selbstregulationsgrad stieg mit steigender prozentualer Behandlungszeit im Vergleich zum Überleben die Überlebenszeit von 2,32 auf 5,85 Jahre, bei den vergleichbaren Kontrollen aber nicht (p < 0,01). Waren dann 308 Tage Misteltherapie in der Studie von M. K. Steuer-Vogt et. al. wirklich ausreichend? – Stark rauchende Männer sind nach meiner Erfahrung eher trophotrop und reagieren daher schwach und spät mit ergotropen Auslenkungen. Solche sind therapierelevant. Trophotrope Patienten benötigen daher höhere Dosen aber längere Injektionsintervalle. Somit könnte eine Gewichtsnormierung nicht Patienten-adaptiert sein. – Dies sei keine Kritik. Die Misteltherapie möchte ich nicht missen, gebe mich aber mit den derzeitigen Ergebnissen nicht zufrieden. Ich möchte nur verdeutlichen, wie relativ Ergebnisse sein können (auch die oben zitierten!) und wie vorsichtig man mit ihnen umgehen muss. Dies haben die Autoren in feiner Form getan, was bei der Gestaltung der verallgemeinernden Überschrift auf dem Titelblatt nicht so ganz gelungen ist.
Dr. med. Manfred Weckenmann
Rudolf-Steiner-Weg 5
70794 Filderstadt

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