ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2002zum Steuersparen: Nichtsnutziger Trick

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zum Steuersparen: Nichtsnutziger Trick

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): [108]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der Fiskus ist aber auch ein Böser. Nachdem ein Steuerschlupfloch nach dem anderen zugestöpselt wird, bleibt dem geplagten Bürger kaum noch eine Möglichkeit, seine Verpflichtungen zu drücken. Selbst den früher üblichen Beteiligungsmodellen – Schiff, Wind, Filme – droht zunehmend der Garaus.
Mit der neueren Rechtsprechung zur Verrechnung (Geltendmachung) von Verlusten aus Spekulationsgeschäften ist es auch nicht so weit her, da diese Verluste leider nur sehr eingeschränkt mit anderen Einkommensarten verrechnet werden können. Das aber ist wiederum richtig schade, denn mit schwarzen Löchern im Depot kennen sich viele Deutsche gut aus, wer sitzt schließlich nicht auf enormen Bergen von falsch gekauften Aktien.
Ein wahrhaft Schlauer könnte da leicht auf die Idee kommen, die Börsenspekulationen nicht als private Veranstaltung zu deklarieren, sondern so zu tun, als wäre er als Kontrahent des Finanzamtes in Sachen Aktienhandel ein Gewerbetreibender. Erst recht, wo man doch für die letzten zwei, drei Jahre enorme Börsenhandelsumsätze vorzuweisen hat.
Der Trick also: einen Gewerbeschein beantragen, kostet ja nur ein paar Euro, Unternehmenszweck etwa „gewerblicher Handel mit Wertpapieren“, und schon ist der kleine, feine, aber steuerlich sehr relevante Effekt erreicht, dass Verluste aus Aktiengeschäften nun plötzlich voll mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden können, und das auch noch außerhalb der üblichen (für den Privatanleger geltenden) Einjahresfrist.
Schöne Vorstellung, aber realiter kaum umsetzbar. Die
Finanzgerichtsbarkeit hat schon früher sehr, sehr enge Grenzen gesetzt gegen die Absicht, private Verluste als gewerblich zu deklarieren. Dabei ist es auch geblieben, wie das jüngste Urteil des Finanzgerichtes München (Az.: 8K 3707/99) zeigt, das die Klage eines medizinisch-technischen Assistenten zurückwies, der „als Gewerbetreibender“ Verluste von 122 000 und 27 000 Euro geltend machen wollte. Auch der Bundesfinanzhof (BFH) bleibt auf der harten Linie. Dem BFH zufolge sind selbst Börsengeschäfte in ganz erheblichen Ausmaßen noch lange kein Grund für das Annehmen einer gewerblichen Tätigkeit. Nur in wenigen Ausnahmefällen sei dies möglich, etwa wenn ein Büro nebst entsprechender Organisation eingerichtet ist und auch einer breiten Öffentlichkeit Wertpapiergeschäfte angeboten werden, kurzum, der in Aktien „berufserfahrene“ Steuerpflichtige (Banker, Analyst) muss sich „wie ein Händler“ verhalten.
Der Coup mit dem Clou „Gewerbebetrieb“ läuft also nicht. Jeder Versuch in diese Richtung kann also nur schief gehen. Neue pfiffigere Ideen harren ihrer Entdeckung. Gleichwohl ist auch deren Schicksal ungewiss.
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