ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2002Internet-Recherche: Schmerzerkrankungen

Supplement: Praxis Computer

Internet-Recherche: Schmerzerkrankungen

Dtsch Arztebl 2002; 99(18): [28]

Eichenberg, Christiane

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Internet-Angebot zum Thema Schmerz bietet Ärzten und Patienten die Möglichkeit, sich einen Überblick über den aktuellen Wissensstand zu verschaffen und auch zu speziellen Bereichen, wie zum Beispiel Tumorschmerzen oder Kopfschmerzen, Informationen abzurufen und auszutauschen.
Schmerzen gehören zu den somatischen Beschwerden, die in der Bevölkerung am häufigsten auftreten und daher in der ärztlichen Behandlung eine große Rolle spielen. Ein relativ hoher Anteil ist dabei als chronischer Schmerz einzustufen, der über längere Zeit anhält oder ständig wiederkehrt. Zu den häufigsten chronischen Schmerzen gehören Rückenschmerzen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Nacken- und Schulterschmerzen.
Eine bevölkerungsrepräsentative Studie in Deutschland zur Prävalenz von Schmerzen (Schumacher/Brähler, 1999), in der Daten von 1975 und 1994 verglichen wurden, ergab: Sämtliche erfassten Schmerzsymptome traten 1994 häufiger auf als 1975. Insbesondere für Nacken-, aber auch für Kopf- und Gliederschmerzen zeigte sich ein deutlicher Anstieg. Zu beiden Erhebungszeitpunkten traten Rücken- und Kopfschmerzen am häufigsten auf, wohingegen Magenschmerzen im Vergleich zu anderen Schmerzlokalisationen jeweils die geringste Rolle spielten.
Zimmermann (1994) schätzte aus verschiedenen Umfragen die Anzahl von Patienten mit chronischen Schmerzen in Deutschland (alte Bundesländer) für das Jahr 1983: Danach waren bei niedergelassenen Ärzten durchschnittlich zwölf Prozent der insgesamt 25 Millionen Patienten – das heißt drei Millionen – mit chronischen Schmerzen in Behandlung. Etwa 1,5 Prozent der Patienten waren Problempatienten, deren Schmerzen vom niedergelassenen Arzt als therapieresistent eingestuft wurden.
Eine Hochrechnung von Jungck ergab für 1991, dass von den 32 Millionen Menschen, die in einem Quartal ihren Arzt aufsuchten, zwischen 5,12 und 7,68 Millionen (16 bis 24 Prozent) von chronischen Schmerzen betroffen waren. Von diesen litten 1,6 bis zwei Prozent unter problematischen Schmerzerkrankungen und benötigten einen Algesiologen (1).
Auch wenn die zitierten Prävalenzraten variieren (zum Beispiel in Abhängigkeit von den verwendeteten Erhebungsmethoden oder den Schmerzdefinitionen), verdeutlicht der epidemiologische Überblick, dass das Symptom Schmerz ein qualitativ und quantitativ bedeutsames Problem darstellt, das in Forschung, Ausbildung und ärztlichem Handeln nach wie vor stark vernachlässigt wird (Zimmermann, 1994). Die vorgestellten Internet-Adressen bieten eine Starthilfe, das Wissen in Bezug auf chronische Schmerzerkrankungen zu vertiefen und ausgewählte Selbsthilfeseiten an betroffene Patientengruppen weiterzugeben.
Fundstellen im WWW
Abbildungen: Zwei Beispiele für Internet- Angebote zum Thema Schmerz – oben: Die Website des Bundesverbandes Deutsche Schmerzhilfe e.V.; links: Die Website des Schmerzforums Koblenz
Abbildungen: Zwei Beispiele für Internet- Angebote zum Thema Schmerz – oben: Die Website des Bundesverbandes Deutsche Schmerzhilfe e.V.; links: Die Website des Schmerzforums Koblenz
Das Schmerzforum Koblenz (2) bietet eine Link-Sammlung unter anderem zu den Gebieten Fortbildung, Online-Fortbildung, Downloads, Dokumentationen, Recht/Politik, Institutionen, Magazin, Linklisten, Krankheitsbilder, Therapie, Patienten-Info, Kooperationen, Recherche, Service und Marktplatz. Einige Informationen darunter sind nur für medizinische Fachkreise zugänglich.
Schmerz.de (3), ein Angebot der Hexal AG, bereitet Informationen ebenfalls zielgruppenspezifisch auf: Fachleuten werden Präparateinformationen und Therapieleitlinien zur Verfügung gestellt. Patienten erhalten Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: „Wie entstehen Schmerzen?“, „Welche Ursachen können chronische Schmerzen haben?“ und „Wie behandelt man Schmerzen?“. Darüber hinaus können sie ein persönliches Online-Schmerztagebuch anlegen.
MedizInfo, ein medizinischer Online-Dienst für Verbraucher und medizinisches Fachpersonal, informiert mit „SchmerzLos“ (4) über die Entstehung und Psychologie chronischer Schmerzen, Schmerzerkrankungen, Schmerzen bei Kindern, medikamentöse und operative Schmerztherapie, alternative Behandlung, physiotherapeutische und psychologische Schmerztherapie. Der Nutzer kann Hintergründe, Fakten und Zahlen, Kongresse und Fachtagungen sowie Informationen über Schmerzen aus anderer Sicht (Schmerzen im Sport, Schmerz und Schönheitsideale, Lust, Gesellschaft) abrufen.
Vorwiegend für Fachkreise interessant sind WWW-Seiten mit ausschließlich wissenschaftlichen Informationen. Hier sind die Web-Auftritte von Fachgesellschaften nennenswert, so zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung (5) oder der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (6), der größten wissenschaftlichen Schmerzgesellschaft in Europa mit derzeit 2 750 Mitgliedern. Ihr Hauptziel ist die Förderung der Schmerzforschung in Deutschland und die Verbesserung der schmerztherapeutischen Versorgung. Auf diesen Seiten findet man ebenso eine Reihe von weiterführenden Links zu nationalen und internationalen Informationen zu Schmerz und Palliativmedizin. Darüber hinaus berichten Fachzeitschriften über neuste Forschungsergebnisse: Informationen zu der Zeitschrift „Der Schmerz“, die sich an Ärzte aller Fachgebiete einschließlich der Allgemeinmedizin, an Psychologen und an Schmerzforscher wendet, finden sich unter (7).
Internet-Angebote für Patienten zum Thema Schmerz werden zum Beispiel von Fachkliniken (8) und niedergelassenen Fachärzten angeboten. So hat die Gemeinschaftspraxis für Anästhesie und Schmerztherapie von Elmar Mertens, Dr. Winfried Gahbler und Florian Becker, Kassel, leicht verständliche und gut strukturierte Informationen zum Thema Schmerz online gestellt (9). Das Inhaltsverzeichnis umfasst unter anderem die Rubriken chronische Schmerzen, Schmerzfragebogen und -tagebuch, chronische Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Tumorschmerzen, Palliativmedizin, kognitive Verfahren und Entspannungstechniken und medikamentöse Schmerztherapie. Weitere Anlaufstellen bieten Selbsthilfeorganisationen, wie die Deutsche Schmerzliga e.V. (10), die sich stark macht für die Belange von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Der Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. (11) versteht sich als Interessenvertreter aller Schmerzpatienten und wird von zurzeit mehr als 5 000 Mitgliedern getragen. Die assoziierte Homepage bietet viele Informations- und Diskussionsmöglichkeiten, darunter die „SchmerzSelbstHilfe.de Pinnwand“ und das Opiate-Forum.
Spezialbereiche
Darüber hinaus gibt es spezielle Internet-Angebote, die Schmerzen bestimmter Lokalisationen thematisieren. Exemplarisch hierfür stehen die im Textkasten aufgeführten Web-Seiten zu Kopfschmerzen (12), Tumorschmerzen (13) und Rückenschmerzen (14).
Schmerzerkrankungen betreffen sämtliche Gebiete der Medizin und Psychologie und verbinden diese miteinander. Somit sind Schmerzerkrankungen interdisziplinär – sowohl in ihrer Genese als auch in den notwendigen Behandlungsansätzen. Das Internet bietet hier eine gute Möglichkeit, dass sich Fachleute, die mit dieser Patientengruppe konfrontiert werden, über ihr eigenes Fachgebiet hinausgehend informieren und diskursiv vernetzen, um dem Betroffenen bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen.
Christiane Eichenberg
Kontaktadresse: Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln, E-Mail: christiane@rz-online.de, Homepage: www.christianeeichenberg.de


Literatur
Schumacher J, Brähler E: Prävalenz von Schmerzen in der deutschen Bevölkerung. Der Schmerz, 1999; 6: 375–384.
Zimmermann M: Epidemiologie des Schmerzes. Der Internist 1994; 35: 2–7.


Weiterführende Literatur
Basler HD, Franz C, Kröner-Herwig B, Rehfisch HP, Seemann H (Hrsg.): Psychologische Schmerztherapie. Grundlagen – Diagnostik – Krankheitsbilder – Behandlung (4., korr. u. erw. Aufl.). Berlin/Heidelberg: Springer 1999.
Zenz M, Jurna I: Lehrbuch der Schmerztherapie. Grundlagen, Theorie und Praxis für Aus- und Weiterbildung (2., neubearb. Aufl.). Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2001.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema