ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Disease Management: Gemeinsame Linie

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Disease Management: Gemeinsame Linie

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): A-1257 / B-1049 / C-977

Rabbata, Samir

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LNSLNS Stichtag ist der 13. Mai. Bis dahin müssen sich Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen im Koordinierungsausschuss (§ 137 e SGB V) auf gemeinsame Empfehlungen für die Ausgestaltung der geplanten Disease-Management-Programme (DMP) einigen. Andernfalls droht die Bundesregierung mit „staatlichen Ersatzvornahmen“. Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verständigten sich jetzt auf ein gemeinsames „Votum“ zur Einführung strukturierter Behandlungsprogramme. Das Verhandlungsgewicht der Ärzteschaft wurde dadurch gestärkt.
BÄK und KBV knüpfen ihre Unterstützung der Disease-Management-Programme daran, dass sie vom behandelnden Arzt festgelegt und koordiniert werden. Darüber hinaus fordern sie, dass die Vermittlung von Kenntnissen in der Anwendung von DMP Aufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung ist.
Einvernehmen besteht auch beim Thema „Datenfluss“. Vor allem die KBV beharrt bei den Verhandlungen im Koordinierungsausschuss darauf, Patientendaten nur pseudonymisiert an die Kassen weiterzuleiten. Auch in ihrem gemeinsamen Positionspapier halten BÄK und KBV dies für grundsätzlich ausreichend. „Die Übermittlung personenbezogener Daten über Behandlung und Befunde der Patienten an die Krankenkassen wird nachdrücklich abgelehnt.“
Disease Management dürfe nicht zu einer Einschränkung der Therapiefreiheit des Arztes führen, fordern BÄK und KBV. Nach Ansicht der Ärzteverbände dürfen evidenzbasierte Grundsätze von Diagnostik und Therapie für strukturierte Behandlungsprogramme nicht den Charakter einer verpflichtenden Vorgabe annehmen. In der Vergangenheit hat insbesondere die Bundes­ärzte­kammer vor den Gefahren einer „staatlich verordneten Checklistenmedizin“ im Rahmen der DMP gewarnt.
Kritisch sehen BÄK und KBV auch die Verknüpfung der Behandlungsprogramme mit dem Risiko­struk­tur­aus­gleich (RSA). In der Logik des RSA führe eine mangelnde Mitwirkung einzelner Versicherter zu deren Ausschluss aus dem Programm. Dadurch bestehe aber die Gefahr, dass gerade diejenigen aus den Programmen gestrichen würden, deren langfristige Teilnahme aus medizinischer Sicht sinnvoll ist. Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung stellen klar: „Weder Patient noch Arzt dürfen Gefangene von Buchungsvorschriften des RSA werden.“ Samir Rabbata
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