ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung

POLITIK

Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): A-1265 / B-1055 / C-983

Richter, Eva A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Drogentodesfälle sind in Deutschland im Jahr 2001 um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. 1 835 Menschen (darunter ein hoher Anteil Aussiedler) verstarben infolge ihres Drogenkonsums. Damit sei nach einem kontinuierlichen Anstieg der Anzahl der Drogentoten in den letzten drei Jahren erstmals wieder ein Rückgang zu verzeichnen, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD), bei der Vorstellung des aktuellen Drogenberichts.
Den Rückgang der Todesfälle führt Caspers-Merk unter anderem auf die Etablierung von Drogenkonsumräumen zurück. Mittlerweile gibt es 20 in Deutschland. Eine gesundheitliche Stabilisierung von Drogenabhängigen soll künftig auch durch das Modell „heroingestützte Behandlung“ erreicht werden, das am 1. März in Bonn angelaufen ist und in sieben deutschen Großstädten fortgeführt werden soll. Langjährig Abhängige sollen damit eine Perspektive für einen Ausstieg aus der Sucht erhalten. Durch ein bundesweites Substitutionsregister und „Richtlinien zur substitutionsgestützten Behandlung“ der BÄK soll die Qualität der Substitutionsbehandlung noch in diesem Jahr verbessert werden. Mittlerweile werden etwa 50 000 der 120 000 bis 150 000 Opiatabhängigen substituiert. 10 000 Opiatabhängige befinden sich darüber hinaus in einer drogenfreien Therapie. Somit werde derzeit jeder zweite Abhängige erreicht, erklärte Caspers-Merk. Diesen Anteil wolle sie durch die künftigen Maßnahmen erhöhen.
Besonderes Augenmerk will die Drogenbeauftragte dabei auf die Prävention bei Risikogruppen richten. Vor allem Kinder von suchtkranken Eltern seien gefährdet. 1,8 bis zwei Millionen Kinder im Alter bis zu 18 Jahren müssten mit der Alkoholabhängigkeit eines oder beider Elternteile leben. Ein Drittel von ihnen würde selbst suchtkrank. Eine weitere Risikogruppe sind junge Aussiedler. Sie sollen besser integriert und ermutigt werden, Beratungsstellen aufzusuchen. Das Bundesministerium des Innern fördert dazu wohnumfeldbezogene Maßnahmen. Informationsmaterial wird in russischer Sprache bereitgestellt. ER
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema