ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Private Kran­ken­ver­siche­rung: Abrechnungshickhack

POLITIK: Kommentar

Private Kran­ken­ver­siche­rung: Abrechnungshickhack

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): A-1273 / B-1089 / C-990

Hess, Renate

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LNSLNS Der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung e.V. (PKV), Köln, sucht offenbar Streit. Das lässt sich aus einer Artikelserie im Verbandsblatt „PKV-Publik“ schließen, die sich mit Abrechnungsempfehlungen der Bundes­ärzte­kammer auseinander setzt. Eigentlich müsste der PKV-Verband die Offensive der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zur Bereinigung lange schwelender Abrechnungskonflikte begrüßen, weil aufgrund fachlich fundierter und rechtskonformer Auslegungsempfehlungen endlich Rechtssicherheit in einem Bereich geschaffen wird, der zu einem permanenten Konfliktfeld zwischen Arzt und Patient, aber auch zwischen Versicherung und Versicherten geworden ist. Stattdessen werden die Abrechnungsempfehlungen der Bundes­ärzte­kammer abqualifiziert – vermutlich in der Absicht, Munition für kommende politische Auseinandersetzungen über eine dringend notwendi-
ge GOÄ-Weiterentwicklung und erforderliche Vergütungsverbesserungen zu sammeln.
Offensichtlich ist der Verband so weit von der Realität entfernt, dass ihm entgangen ist, dass die Erstattungspraxis seiner Mitglieder weitaus großzügiger ist als die eröffneten Abrechnungsmöglichkeiten auf der Grundlage der BÄK-Empfehlungen. Indirekt unterstützt der Verband mit seiner Kritik die Empörung eines Teils der Ärzteschaft über die aus deren Sicht zu niedrigen Abrechnungsempfehlungen.
Man darf gespannt sein, wie empfohlene Bewertungsabsenkungen, zum Beispiel für die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie bei orthopädischen Indikationen, von der PKV bewertet werden. Oder passt dies nicht in deren Konzept?
Bei allem Verständnis für Sparbemühungen der Privatassekuranz ist dieser Fortsetzungsroman kein Ruhmesblatt und kein gutes Omen für eine konstruktive Zusammenarbeit von PKV und Ärzteschaft bei einer Weiterenwicklung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) – ganz abgesehen davon, dass mit dem Abrechnungshickhack die Ärzteschaft nicht zum politischen Bündnispartner zur Verteidigung der Friedensgrenze gewonnen werden kann.
Was ist das für eine Verbandsstrategie, wenn in ein und derselben Ausgabe von „PKV-Publik“ zunächst Bundes­ärzte­kammerpräsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe die zunehmenden Spannungen auf dem Honorarsektor zwischen privater Kran­ken­ver­siche­rung und Ärzteschaft beklagt und die Fehlbewertungen der BÄK-Abrechnungsempfehlungen durch die PKV anprangert, wohingegen einige Seiten weiter der Kleinkrieg um die Abrechnungsempfehlungen fortgeführt wird. Renate Hess
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