ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Dialysetherapie: Paradigmenwechsel in der Honorierung

POLITIK: Kommentar

Dialysetherapie: Paradigmenwechsel in der Honorierung

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): A-1274 / B-1088 / C-1016

Stoffel, Markus P.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Eine ergebnisorientierte Vergütung in der Dialysetherapie kann das Qualitätsmanagement verbessern. Foto: Peter Wirtz
Eine ergebnisorientierte Vergütung in der Dialysetherapie kann das Qualitätsmanagement verbessern. Foto: Peter Wirtz
Auf dem Weg von aufwandsorientierter zu ergebnisorientierter Vergütung kann ein Qualitätsmanagementsystem in der Dialyse helfen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Spitzenverbände der Krankenkassen haben einschneidende Änderungen bei der Vergütung in der Dialysetherapie vereinbart (Deutsches Ärzteblatt, Hefte 13 und 14/2002). Die Sachkosten-Vergütung unterlag bislang deutlichen regionalen Schwankungen (960 bis 1 320 DM). Die vereinbarte Neuregelung sieht eine Pauschale vor, die schrittweise über mehrere Jahre auf 520 € (rund 997 DM) im Jahr 2004 angepasst wird. Um trotz erhöhten Kostendrucks keine Qualitätseinbußen zu erfahren, ist eine zentrumsübergreifende Qualitätssicherung nach messbaren Kriterien gefordert. Diese sind jedoch bislang noch nicht einheitlich definiert. Zu diesem Thema fand bereits am 6. September 2001 ein Symposium („Qualität und Qualitätssicherung in der Dialyse“) statt, an dem neben Ärzten auch Vertreter der Krankenkassen, der Bundes­ärzte­kammer sowie der Gesundheitspolitik teilnahmen. In verschiedenen Vorträgen wurde zunächst die Notwendigkeit einer zentrumsübergreifenden Qualitätssicherung (insbesondere der Prozess- und Ergebnisqualität) sowohl aus Sicht der Bundes­ärzte­kammer (Franz F. Stobrawa) als auch der Gesundheitspolitik (Edwin Smigielski, BMG) und der Krankenkassen (Werner Gerdelmann, VdAK) dargelegt.
Die Struktur und die Ergebnisse des Qualitätsmanagementsystems „QiN – Qualität in der Nephrologie“ (www.qin-dialyse.de) wurden vorgestellt. Dieses Projekt ist 1998 vom Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH, Neu-Isenburg, Wilhelm Schoeppe und Klaus Finke) initiiert worden und wird in Kooperation mit der Medizinischen Klinik IV (Conrad A. Baldamus) sowie dem Institut für Gesundheitsökonomie (Karl W. Lauterbach) der Universität zu Köln bundesweit in bisher 45 Zentren mit mehr als 4 700 erfassten Patienten durchgeführt. Im Vordergrund steht die systematische, regelmäßige und elektronische Erfassung von wichtigen Parametern der Prozess- und Ergebnisqualität. Diese Daten entstammen dem „Routinebetrieb“. Sie werden über eine einheitliche EDV in den angeschlossenen Zentren erfasst und in verschlüsselter Form per Datenfernübertragung übermittelt. Die Auswertung erfolgt zentral, anonymisiert und unabhängig vom KfH im Institut für Gesundheitsökonomie in Köln. Im Sinne des „benchmarking“ werden die Zentren in Bezug auf jeden einzelnen Parameter verglichen. Dies erfolgt jedoch ohne Vorgaben eines bestimmten Zielwertes. Lediglich die wenigen in den anerkannten amerikanischen Leitlinien (DOQI-dialysis outcome quality initiative) festgelegten „Grenzwerte“ werden zum Vergleich herangezogen. Bei schlechterem Abschneiden als im Durchschnitt aller Zentren löst dies eine „kreative Unzufriedenheit“ bei dem betroffenen Zentrum aus mit Änderung der Behandlung. Dies führt zu einer signifikanten Verbesserung wichtiger Qualitätsparameter (zum Beispiel Verlängerung der Dialysen, Verbesserung der renalen Anämie). Neben diesen relativ einfach zu erfassenden Daten der Prozessqualität wird die Ergebnisqualität gemessen: Lebensqualität (LQ), Morbidität und Sterblichkeit sind dabei relevant. Die LQ wird nach internationalen Standards (SF-36/KDQOL) einmal jährlich erfasst. Die risikobezogene Rate der Krankenhauseinweisungen ist dabei eine besonders wichtige Kenngröße für die Morbidität. Denn die Häufigkeit einer Einweisung ins Krankenhaus ist nicht nur medizinisch relevant, sondern es kommt ihr auch eine wichtige ökonomische Rolle zu. Auch die Mortalität wird mit weiter zunehmender Patientenzahl und längerer Beobachtung von Patientenverläufen als wichtigster Parameter der Ergebnisqualität ausgewertet werden können.
Das QiN-Projekt erlaubt ohne Erfassung von zusätzlichen Parametern eine zentrumsübergreifende Beschreibung der Qualität der Hämodialysetherapie. Die dabei verwendeten Qualitätsindikatoren entsprechen der evidenzbasierten Medizin und könnten auch als Grundlage für eine ergebnisorientierte Vergütung dienen. Unter Verwendung der dargelegten Instrumente und Parameter dieses Qualitätsmanagement-Systems in der Dialyse können darüber hinaus die Möglichkeiten der Ausschöpfung von Rationalisierungsmaßnahmen und ihr Effekt auf medizinische Qualitätsparameter abgeschätzt werden. Dr. med. Markus P. Stoffel
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema