ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Präimplantationsdiagnostik: „Die Argumente sind auf dem Tisch“

POLITIK

Präimplantationsdiagnostik: „Die Argumente sind auf dem Tisch“

Richter, Eva A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Experten diskutierten über PID.

Jetzt müsse die Politik nur noch endgültig die Entscheidung treffen und die Bundesärztekammer die Rahmenbedingungen für die Präimplantationsdiagnostik (PID) festzurren, sagte Prof. Dr. med. Klaus Diedrich, Direktor der Universitätsfrauenklinik Lübeck, zum Schluss einer Diskussionsveranstaltung der Wochenzeitung „Die Zeit“ am 29. April in Berlin.
So einfach wie diese Äußerung klingt, so überzeugt müssten eigentlich am Ende der Veranstaltung die Laien unter den Zuhörern vom Nutzen der PID gewesen sein. Diesen hatten zuvor drei der vier (ausschließlich männ-
lichen!) Gäste eingehend erläutert.
Lediglich Dr. Wolfgang Schäuble,
Mitglied des CDU-Bundesvorstandes, steuerte der Meinung von Diedrich, Prof. Dr. med. Claus R. Bartram, Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität Heidelberg, und Dr. h. c. Dr. habil. Richard Schröder, Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, entgegen. Er ist besorgt, dass sich die Menschheit künftig generell anmaßen könnte, Kinder nach Wunsch zu schaffen. Die Pränataldiagnostik (PND), bei der behinderte Kinder in der Folge abgetrieben werden, habe sich bereits ausgeweitet.
Eine solche Entwicklung werde es bei der PID nicht geben, beschwichtigte Schröder, denn diese sei nur auf wenige Indikationen und damit auf etwa 100 Paare pro Jahr begrenzt. „Es ist ein Irrtum, dass die PID ein Beschaffenheitstest ist“, betonte auch Diedrich. Allein technisch könnte immer nur auf eine bestimmte Krankheit getestet werden. Frauen würden nur in Notsituationen die Strapazen einer In-vitro-Fertilisation bei der PID auf sich nehmen, ergänzte Bartram. Dies täte keine Frau, die normal oder mit PND gebären könne. Bei der PID gehe es nicht um das Recht auf ein gesundes Kind, sondern um das Recht auf Behandlung. ER
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote