ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Medizinstudium: Schlusswort
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LNSLNS Es ist nochmals festzustellen, dass diese Arbeit nicht die Auffassung des IMPP, sondern die persönliche Meinung des Autors wiedergibt. Welche Bedeutung naturwissenschaftliche Grundlagen für die Medizin haben, ist mir als Physiologen mit Sicherheit bewusst.
Selbstverständlich wäre das Ergebnis der Analyse etwas besser ausgefallen, wenn in die Auswertung nur die erfolgreichen Kandidaten aufgenommen worden wären. An der Feststellung, dass die Lösungshäufigkeit naturwissenschaftlicher Aufgaben viel niedriger lag als gehofft, würde sich dadurch nichts ändern. Diese Tatsache sollte zur Kenntnis genommen und nicht verleugnet werden. Es sollte auch nicht unterstellt werden, dass ich einen Verzicht auf eine solide naturwissenschaftliche Ausbildung fordere. Wie soll auf etwas verzichtet werden, das nicht vorhanden ist?
Die Angabe, dass die Kandidaten in den abschließenden klinischen Examina überwiegend mit sehr gut bis gut bewertet werden, ist nicht „irreführend“. Im dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, der das abschließende klinische Examen bildet, erhalten etwa 25 % die Note „sehr gut“ und etwa 50 % die Note „gut“. Wenn die Leistungen in den klinischen Abschlussexamina und die in den naturwissenschaftlichen Fächern der Vorklinik positiv korrelieren sollten, wäre dies noch kein Beweis für die Relevanz der Naturwissenschaften. Die Aussage, dass die Inhalte der naturwissenschaftlichen Fächer der Vorklinik in Deutschland keine Rolle für die Bewältigung der Prüfungen am Ende der universitär-klinischen Ausbildung spielen, ist empirisch belegt (Med. Welt [1984],
35: 268–274).
Die Forderung nach der Abschaffung der zentralen Prüfungen, die objektiv Leistungsdefizite offen legen, spricht für sich. Sie wäre glaubwürdiger, wenn ihre Vertreter erklären könnten, warum so viele Kandidaten trotz Bescheinigung regelmäßiger und erfolgreicher Teilnahme an den einschlägigen Unterrichtsveranstaltungen nur geringe Kenntnisse hatten. Zurzeit sind auch intelligente und einsatzfreudige Studenten mit den im vorklinischen Abschnitt vorgesehenen Ausbildungsinhalten insgesamt überfordert. Wenn die naturwissenschaftlichen Grundlagenkenntnisse generell unverzichtbar sind, müsste ihre Beherrschung durch entsprechend hohe Prüfungshürden sichergestellt werden. Dies liegt auch derzeit in der Kompetenz der Fakultäten. Es sollte dann aber auch entschieden werden, in welchen Bereichen die Anforderungen zurückgenommen werden. Die Augen vor der Realität zu verschließen und den Überbringer schlechter Nachrichten zu kreuzigen hilft nicht weiter.
Prof. Dr. med. Gerfried Gebert, Rüsselsheimer Allee 22, 55130 Mainz
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