ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Anti-Raucher-Kampagnen: Dahinter steckt nüchternes Kalkül der Industrie
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LNSLNS Nichtraucher-Programme für Kinder und Jugendliche sind grundsätzlich begrüßenswert. Vor dem Hintergrund der dramatischen Zunahme jugendlicher Raucher (siehe die Untersuchung „Gesundheitsverhalten von Jugendlichen in Bayern 2000“ des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz) scheinen derartige Programme dringend notwendig zu sein.
Derartige Programme sind aber wahrscheinlich nur in der Lage, bei einem Teil der Betroffenen den Einstieg in das Suchtverhalten Nikotinabusus zu verhindern. Entscheidend bleibt, dass der Nikotinabusus in unserer Gesellschaft toleriert wird, was sich auch weiterhin in der massiven Zigarettenwerbung ausdrückt. Insofern stellt die „Geldspende“ der Tabakindustrie für die Nichtraucherprogramme auch
keinen „großen Erfolg“ dar, wie die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt glauben machen will. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass die Tabakindustrie auf diesem Wege erreichen will, dass die Bundesregierung weiterhin ein Werbeverbot für die Zigarettenindustrie verhindert. So gesehen wird deutlich, dass sich die Tabakindustrie nicht von gestern auf heute zu einer Wohlfahrtsinstitution gewandelt hat, sondern dass nüchternes Kalkül hinter der Unterstützung von Nichtraucher-Programmen für Kinder und Jugendliche steckt. Schließlich ist klar, dass auch die Tabakwerbung für Erwachsene Kinder und Jugendliche anspricht und dass auf diese Weise die Tabakindustrie nicht ganz auf ihre Klientel von morgen zu verzichten braucht.
Dr. med. M. Demandt, Wittelsbacher Straße 11, 94315 Straubing
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