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Gratwanderung
Begleitung eines Sterbenden
Maria Köllner: Der lange Abschied. In der Begegnung mit dem Tod erwächst neuer Lebensmut. 2. Auflage, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2001, 283 Seiten, 8,50 €
Dies ist die Abrechnung einer Frau mit einem Jahr, in dem sie mit ihrem Mann auf dessen Tod wartet. Sie wartet allein, weil er sich nach außen
bis zum Ende der Gewissheit verschließt, dass er an Krebs sterben wird. Sie schreibt, wie er sie zurückweist und sie darüber verzweifelt. Sie schreibt, wie sie bis zur Selbstaufgabe darum kämpft, über die emotionale Mauer zu sehen, hinter der er sich versteckt, bis er für immer einschläft. Das Buch lebt von der Ehrlichkeit, mit der es geschrieben ist.
Köllner schreibt in erster Linie für sich. Sie erzählt von unzähligen Begegnungen mit Freunden, die ihr geholfen haben. Und sie berichtet von ihrem Schmerz – so direkt, dass man sich manchmal nur Andeutungen wünschte. Viele Menschen werden sich in Köllners Erzählung wiederfinden. Sie hilft, Angehörige von Sterbenskranken mit ihren Sorgen und ihrem Schmerz zu verstehen. Bisweilen verderben aber Pathos und die eine oder andere ungelenke Formulierung die Lust am Lesen. Weniger wäre mehr.
„Der lange Abschied“ gibt – bei aller Kritik – in erster Linie Hoffnung. Köllner schildert, wie sie aus ihrer Resignation und Trauer heraus neuen Lebensmut schöpft. Sie will über die Liebe zu ihrem Mann nicht vergessen, weiter zu leben: „So tauche ich auf aus der Tiefe voller Angst und Grauen, genesend und empfindlich nach Monaten der Häutung, dieses Leben, noch verschwommen hinter Tränen, neu und voller Dankbarkeit zu entdecken.“ Roman Pletter
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