ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2002Mammakarzinom: Supportive Maßnahmen werden wenig genutzt

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Mammakarzinom: Supportive Maßnahmen werden wenig genutzt

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): A-1317 / B-1122 / C-1050

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Erythrozyten unter dem Elektronenmikroskop Foto: Roche
Erythrozyten unter dem Elektronenmikroskop Foto: Roche
Bei der Therapie des Mammakarzinoms werden zunehmend aggressive Chemotherapieregime geplant, um die Überlebenschancen zu steigern. Nicht selten muss wegen Nebenwirkungen die Dosis zurückgenommen oder sogar der Behandlungszyklus vorzeitig beendet werden. Vor diesem Hintergrund würden begleitende Therapieformen, die dafür sorgen, dass die Frauen das geplante Behandlungskonzept durchhalten können, wichtiger, erklärte Dr. Günter von Minckwitz (Universität Frankfurt/Main) beim Deutschen Krebskongress in Berlin.
Zwar gibt es die Möglichkeiten, durch supportive Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Behandlung mit Erythropoetin, der drohenden Anämie und ihren Konsequenzen entgegenzuwirken, genutzt werden solche Optionen aber noch selten. „Die supportive Therapie ist noch eine Art Stiefkind in der Onkologie“, sagte Prof. Volker Möbus von den Städtischen Kliniken Frankfurt-Höchst.
Wie Minckwitz erläuterte, entwickeln bei einem dosisdichten ETC-Schema (Epirubicin, Paclitaxel, Cyclophosphamid) neun Prozent der Patientinnen mit Mammakarzinom eine Grad-3/4-Anämie, wobei häufig Transfusionen notwendig werden. Mit steigender Aggressivität der Schemata verschärft sich das Problem sogar noch und bei einer Kombination aus Docetaxel, Adriamycin und Cyclophosphamid (TAC-Schema) ist davon auszugehen, dass 100 Prozent der Frauen eine Neutropenie Grad 3/4 entwickeln.
Mit einer Anämie reagieren 98 Prozent der Patientinnen auf das TAC-Schema, 19 Prozent sogar mit einer Grad-3/4-Anämie. In fast jedem fünften Fall kommt es bei diesem Schema zu einem toxizitätsbedingten Therapieabbruch.
Andererseits ist gut dokumentiert, dass durch dosisdichte Strategien signifikante Überlebensvorteile erwirkt werden, und das nicht nur in der adjuvanten, sondern auch in der palliativen Situation. „Doch es ist zunehmend schwieriger, die geplanten Dosisregime, die eine verbesserte Lebenserwartung versprechen, beizubehalten“, erklärte von Minckwitz. Je stärker die Toxizität und je ausgeprägter die Gefahr, durch die Chemotherapie eine Anämie zu induzieren, umso bedeutsamer werde die supportive Therapie mit Erythropoetin (Epoetin alfa, Erypo®), um den Allgemeinzustand der Patientinnen zu bessern und so zu gewährleisten, dass die geplante Therapie realisiert werden kann.
Wie Dr. Ulrike Nitz (Universität Düsseldorf) bei einem Satellitensymposium der Firma Ortho Biotech berichtete, zeigt eine Studie von Littlewood et al., dass Tumorpatienten unter Erythropoetin seltener einen Hb-Abfall erleben, weniger Transfusionen brauchen und seltener Symptome wie Müdigkeit, Energieverlust und eine Beeinträchtigung der täglichen Aktivitäten beklagen als diejenigen in der Kontrollgruppe.
Obwohl die Studie nicht darauf angelegt war, einen Überlebensvorteil aufzuzeigen, ergaben sich laut Aussage von Nitz doch starke Hinweise darauf, dass die Erythropoetin-Behandlung auch die Prognose bessert und die Überlebenszeit um circa ein halbes Jahr verlängert. Die Daten stehen im Einklang mit Beobachtungen, wonach bei einem niedrigen Hb-Wert das Ansprechen auf eine Radiotherapie beeinträchtigt ist. Ein Hb-Wert unter 12 g/dl korreliert außerdem mit einem überproportional häufigen Auftreten von Lokalrezidiven.
Für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität und eine Minderung des Fatigue-Syndroms sei, so Prof. Gunther Bastert, Universitätsklinikum Heidelberg, ein Hb-Wert von mehr als 12 g/dl anzustreben: „Wir haben uns aber angewöhnt, erst ab einem Hb-Wert von unter 10 g/dl von einer Anämie zu sprechen.“ Inwieweit eine Erythropoetin-Gabe, die einen Hb-Wert zwischen 12 und 14 mg/dl zum Ziel hat, nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Prognose beeinflusst, wird in der doppelblind randomisierten und placebokontrollierten BEST-Studie (Breast Cancer Epoetin Survival Trial) bei Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom geprüft. Eine erste Auswertung der Studie wird im Herbst dieses Jahres erwartet. Christine Vetter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema