VARIA: Schlusspunkt

zu Fonds: Im Dickicht

Dtsch Arztebl 2002; 99(19): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Warum gibt es eigentlich Fonds? Blöde Frage, könnten Sie vielleicht einwenden. Jedermann weiß doch, dass die Basisidee eines Investmentfonds eine prima Sache ist. Auf der einen Seite der Kunde, der von Wertpapieren zumeist keine Ahnung hat und sich auch um eine ständige Überwachung seiner Finanzen nicht kümmern kann oder es auch gar nicht will.
Auf der anderen Seite sitzen die Gurus des Kapitalmarktes und warten auf die vielen kleinen und mittleren Beträge, die sich dann aber doch zu einem Riesenhaufen Geld auswachsen. Das gesammelte Börsenwissen der Experten und viel Kapital führen dann dazu, dass vom Fondsmanagement eine Palette an Wertpapieren gekauft wird, die dem Klienten einen möglichst hohen Ertrag bringen (sollen).
Angenehmer Nebeneffekt: Das individuelle Risiko des einzelnen Anlegers schwindet mit zunehmendem Vermögen des Fonds, weil dieser dann in verschiedene Titel „diversifiziert“. Kurzum, die faszinierende Fonds-Idee und jede Menge anlagesuchender Gelder führten bei uns zu einem Dickicht von mehreren Tausend Fonds und unübersehbaren Fondsgesellschaften mit einem gigantischen Vermögensvolumen im Billionenbereich.
Im harten Alltag fragen sich manche Anleger, warum denn gerade ihre Fonds so schlecht abschneiden. Haben Sie etwa die falsche Wahl getroffen? Eigentlich kann das nicht sein, weil sie sich doch in der Regel an die Vorgabe des Beraters gehalten haben, der so sehr auf die Klasse der hauseigenen Fonds schwor.
Keine Angst, das selektive Pechschicksal hat Sie keinesfalls persönlich auserkoren. Erstaunlicherweise ist es so, dass die meisten Fonds, genauer gesagt, die Menschen dahinter, nicht in der Lage sind, ihre Vergleichsindizes (Performancemesslatte) zu schlagen. Das ist bitter und konterkariert den an sich guten Fondsgedanken doch sehr.
Dieses Phänomen hat auch einen Namen: Der Fonds produziert Kosten in erheblichem Ausmaß. Ein in Luxemburg aufgelegter Aktienfonds wird beispielsweise mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent verkauft. Die jährliche Managementgebühr kann bis zwei Prozent betragen. Die Spesen für den Kauf und Verkauf von Aktien betragen ebenfalls ein Prozent.
Vorausgesetzt, besagter Fonds wird in Gänze zweimal im Jahr umgeschlagen, dann müsste der erwirtschaftete Gewinn mindestens zehn Prozent betragen, damit der Anleger das erste Jahr nicht im Minus abschließt, und in den Folgejahren braucht der Fonds mindestens drei Prozent, um über die Null-Linie zu kommen. Zugegeben, das ist vielleicht ein Extrembeispiel. Aber im Prinzip sind in der Tat die (horrenden?) Kosten für den Performanceverfall verantwortlich. Die Leichtigkeit, sich um nichts kümmern zu müssen, hat also einen stolzen Preis. Ob unerträglich, bleibt jedem selbst überlassen.
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