ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Arzneimittelverordnungen: Lohn für Sparsamkeit

SEITE EINS

Arzneimittelverordnungen: Lohn für Sparsamkeit

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1325 / B-1109 / C-1037

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Es klingt nach einem gelungenen Coup. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein hat mit den dortigen Krankenkassen einen Bonus für diejenigen Ärzte vereinbart, die preisbewusst verordnen. Die bemerkenswerte Summe von 23 Millionen Euro steht zur Verfügung, um jene zu „belohnen“, die ihre Richtgrößensumme unterschreiten oder ihre bislang hohen Verordnungsumsätze deutlich reduzieren.
„Wir haben den kollektiven Malus in einen Bonus für sinnvolle Einsparungen umgewandelt“, kommentiert der KV-Vorsitzende Dr. med. Leonhard Hansen die Vereinbarung. Sinnvoll sparen könnten die Ärzte, indem sie mehr Generika und weniger so genannte Me-too-Präparate oder umstrittene Arzneimittel verordnen.
Die Vereinbarung trifft jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung. Der Landesverband Nordrhein des Hartmannbundes hält es für „zutiefst unethisch“, Einsparungen im Arzneimittelbereich an die Vergütung zu knüpfen, und fordert eine sofortige Korrektur. Eine Sonder-Ver­tre­ter­ver­samm­lung soll dafür den nötigen Rückhalt schaffen.
Hansen hat in diesem Punkt jedoch offenbar mehr Vertrauen in die moralische Integrität der Kassenärzte. Die Gefahr des Missbrauchs, bei dem Ärzte auf Kosten der Patienten in die eigene Tasche wirtschaften, hält er für gering. Sollte in Einzelfällen der Verdacht aufkommen, dass Patienten notwendige Arzneimittel vorenthalten oder sie aus Einspargründen ins Krankenhaus oder an Kollegen überwiesen werden, werde die KV dem nachgehen. In einem solchen Fall entfalle jeglicher Bonus, betont Hansen. Zudem diene der Bonus in erster Linie dazu, den Aufwand, der mit ökonomisch sinnvollen Verordnungen verbunden sei, zu entschädigen. Angesichts knapper Kassen müssten Einsparmöglichkeiten realisiert werden. Ärzten, die ihre Richtgrößen überschreiten, droht daher weiterhin der Regress. Das heißt: Zuckerbrot und Peitsche – auf das Ergebnis darf man gespannt sein.
Heike Korzilius
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema