ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Arzneimittelausgaben: Kostenanstieg gebremst

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Arzneimittelausgaben: Kostenanstieg gebremst

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LNSLNS KBV spricht im Gegensatz zu den Kassen von einer Trendwende.
Die Arzneimittelausgaben zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung sind im März um 0,3 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres gestiegen. 1,8 Milliarden Euro gaben die Kassen für Medikamente aus. „Damit haben wir die Trendwende bei den Arzneimittelausgaben geschafft. Unsere Instrumente der Ausgabensteuerung haben gegriffen“, sagte dazu der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm. Die Spanne der Ausgabenentwicklung reicht nach Angaben der KBV von einem Rückgang um 3,5 Prozent in der KV Hessen bis zu einem Anstieg um 4,3 Prozent in der KV Bremen.
Von einer Trendwende bei den Arzneimittelausgaben könne keine Rede sein, heißt es hingegen vonseiten der Krankenkassen. Nach ersten Berechnungen betrage der Anstieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres bundesweit rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die durchschnittliche Steigerung von vier Prozent führt nach Angaben der Verbände dazu, dass die Ausgabengrenzen bereits um eine halbe Milliarde Euro überschritten wurden. Die Kassen forderten die Ärzte auf, wie zugesagt die Ausgabensteuerung selbst in die Hand zu nehmen. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) müsse die Ärzte an ihre Verantwortung erinnern.
Als „Irrtum“ bezeichneten die Spitzenverbände die Annahme der Kassenärzte, der im März mit 0,3 Prozent geringere Ausgabenanstieg lasse auf eine Trendwende schließen. Dabei werde der hohe Sockel des Vorjahres außer Acht gelassen. Außerdem hätten gesetzliche Maßnahmen, wie etwa das Sparpaket der Bundesregierung, einen Ausgabenrückgang von rund zwei bis drei Prozent erwarten lassen.
Richter-Reichhelm hat inzwischen die Vorwürfe an die Ärzte zurückgewiesen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen seien sehr bemüht, die Ausgaben zurückzufahren. So berieten sie ihre Ärzte über eine effiziente Pharmakotherapie. Dafür seien allerdings entsprechende Datenlieferungen der Krankenkassen notwendig, bei denen es zurzeit „noch hapere“, sagte der KBV-Vorsitzende.
Im Jahr 2001 klaffte in der GKV ein Finanzloch von 2,8 Milliarden Euro. Einnahmen in Höhe von 135 Milliarden Euro standen Ausgaben von 138 Milliarden gegenüber. Schmidt hatte sich aber zuversichtlich gezeigt, dass die GKV in diesem Jahr stabile Beiträge und schwarze Zahlen aufweisen werde.
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