ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Prävention: Entlastung der Alterspyramide

POLITIK

Prävention: Entlastung der Alterspyramide

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1340 / B-1121 / C-1048

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Ulla Schmidt will eine weitere Säule im Gesundheitswesen aufbauen.
Die schlichte Erwartung, mit Prävention könnten die Kosten gesenkt werden, steht auch unter Gesundheitspolitikern nicht mehr obenan. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt spricht davon, mit Prävention solle in erster Linie die Lebensqualität erhalten werden, die ökonomische Seite sei sodann „einzubeziehen“. Sie verspricht sich insbesondere eine anhaltende Lebensqualität auch im Alter.
Es gelte, Chronifizierungsprozesse hinauszuschieben und den alten Menschen möglichst lange zu eigenverantwortlichem Leben zu verhelfen. Frau Schmidt hat offenbar die Bevölkerungspyramide vor Augen, deren Gestalt bedrohliche Ausmaße annimmt. Angesichts der dramatisch steigenden Zahl alter Menschen und der gleichfalls dramatisch niedrigen Geburtenrate liegt es zweifellos nahe, auf Aktivität im Alter zu setzen, nicht zuletzt dank Prävention.
Schmidt möchte die Prävention zu einer eigenständigen Säule im Gesundheitswesen entwickeln, neben Therapie und Rehabilitation. Prävention müsse bereits im Kindergarten und in der Schule nahe gebracht werden. Das Robert Koch-Institut arbeite derzeit an einem Kinder- und Jugendsurvey, um „endlich an Daten zu kommen“.
Pionier der Prävention
Die Ministerin entwickelte ihre Überlegungen auf einer Veranstaltung der Ärztekammer Nordrhein am 29. April in ihrer Heimatstadt Aachen. Die Kammer Nordrhein hatte im Gedenken an den früheren Kammerpräsidenten Horst R. Bourmer eingeladen. Bourmers Nachfolger als nordrheinischer Kammerpräsident, Jörg-Dietrich Hoppe, der zugleich Präsident der Bundes­ärzte­kammer ist, würdigte Bourmer als einen Pionier der Prävention in der Ärzteschaft; er habe auch gegen Widerstände für seine Überzeugung gewirkt und sich beispielsweise schon früh für Selbsthilfegruppen verwandt. Auf dem 91. Deutschen Ärztetag 1988 in Frankfurt hatte Bourmer über Gesund­heits­förder­ung als ärztliche Aufgabe referiert.
Ministerin Schmidt erwartet eine Förderung der Sekundärprävention
im Gefolge der Disease-Management-Programme. Auch die geplante Gesundheitskarte kann ihrer Meinung nach präventive Wirkung entfalten. Zudem verspricht sie sich einiges von der Reform der Approbationsordnung. Prävention sei ein Ausbildungsziel, das sich im Abschlusszeugnis niederschlage.
Schließlich erinnerte Frau Schmidt an den „Runden Tisch“. Der hatte ein „Deutsches Forum für Prävention“ vorgeschlagen. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium werde die Gründungskosten und eine teilweise institutionelle Förderung übernehmen, kündigte Schmidt an. Weitere Förderung erhofft sich die Ministerin aus den Abgaben für Alkohol und Zigaretten, zusätzlich seien Gelder aus der Industrie und von Stiftungen vonnöten. Ziel des Unternehmens sei ein nationales Präventionsprogramm. Ulla Schmidt schwebt vor, dass ein solches Programm derart populär wird wie vor Jahren die Trimm-dich-Kampagne. Norbert Jachertz
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