ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Formalismus: Zusammenarbeit geboten

BRIEFE

Formalismus: Zusammenarbeit geboten

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1356 / B-1136 / C-1061

Zschiesche, Wolfgang

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LNSLNS . . Dass eine verantwortungsvolle betriebsärztliche Betreuung nicht durch hausärztliche Aktivitäten ersetzt werden kann, zeigt bereits das erste von Herrn Lehmann aufgeführte Beispiel der durchgeführten Labordiagnostik, die er offensichtlich für ausreichend hält. Woraus schließt Herr Lehmann eigentlich, dass die extern erhobenen Laborbefunde bei der betriebsärztlichen Beratung und Untersuchung durch den arbeitsmedizinischen Fachkollegen/-kollegin nicht berücksichtigt und Doppeluntersuchungen veranlasst worden seien?
Hat der Hausarzt denn auch die gebotenen, zum Teil verpflichtend anzubietenden oder vorgeschriebenen, Beratungen beziehungsweise Untersuchungen zur Vermeidung von Beschwerden des Halte- und Bewegungsapparates, zum Infektionsschutz einschließlich Impfungen, zum Hautschutz, zu Nachtarbeit und zu einer anfallenden Bildschirmarbeit angeboten beziehungsweise durchgeführt?
Das Spektrum des Betriebsarztes bei der Einstellung von Mitarbeitern im Krankenpflegebereich beschränkt sich keinesfalls auf die Durchführung von Labordiagnostik! Dass sich präventive Untersuchungen beim Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber wiederholen, ist vom Verordnungsgeber nicht ungewollt und dient dem Mitarbeiter wie auch dem Arbeitgeber; auch hier wird übrigens nicht erkennbar, wieso die dort jeweils tätigen betriebsärztlichen Kollegen Vorbefunde nicht berücksichtigt hätten. Nach der BiostoffVO ist bei entsprechender Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe am Ende einer Beschäftigung bei einem Arbeitgeber eine zusätzliche arbeitsmedizinische Untersuchung vorgesehen. Dies sichert dem Beschäftigten etwaige Rechtsansprüche bei Auftreten einer Berufskrankheit und schützt den Arbeitgeber beziehungsweise dessen Unfallversicherungsträger vor ungerechtfertigten Ansprüchen.
Die arbeitsmedizinische Daseinsberechtigung und die Herleitung der Aufgaben ergibt sich nicht durch die Kollegen nach eigenem Gusto, wie Herr Lehmann meint, sondern aus unserem sozialrechtlichen Regelwerk.
Umgekehrt erleben es die Arbeitsmediziner und Betriebsärzte immer wieder, dass die niedergelassenen und in den stationären Einrichtungen tätigen Kollegen im Zweifelsfall nicht den Kontakt mit ihnen suchen. Hieraus resultieren dann eigentümliche Beurteilungen (im Rahmen von Untersuchungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz), die etwa Allergikern die Eignung für den Beruf des Bäckers bestätigen; zum Alltag gehören Atteste behandelnder Kollegen über Arbeitnehmer, die gegenüber deren Arbeitgebern Tätigkeitseinschränkungen am Arbeitsplatz bescheinigen, die oft unbegründet sind. Ohne zusätzliche Einschaltung eines fachkundigen Betriebsarztes können sie in vielen Fällen letztlich zu gesundheitlich begründeten Kündigungen führen; sie gereichen dann dem Patienten nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil. Nur der Betriebsarzt kennt die konkrete Arbeitsplatzsituation und kann gezielt auf diese hin beraten.
Statt ironisierendem Gegeneinander ist deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen behandelnden Kollegen einerseits und den betriebsärztlich-präventiv tätigen Ärzten andererseits geboten . . .
Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Zschiesche, Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik, Gustav-Heinemann-Ufer 130, 50968 Köln
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