BRIEFE

Medikation: Aufwachen!

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1357 / B-1153 / C-1081

Konietzke, Erich

Zur Arzneiverordnung:
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LNSLNS So manche Zeile lesen wir lästigerweise doppelt und dreifach – diese nachfolgende Information sollten wir aber nun wirklich mehrfach lesen, um endlich aufzuwachen.
Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (von der jeweiligen Ge­sund­heits­mi­nis­terin bestellt und mit Verträgen hierzu versehen) hat ein Ergänzungsgutachten erstellt, welches mit Datum 5. Februar 2002 dem Bundestag (Drucksache 14/8205) zur Unterrichtung zugeleitet wurde. In diesem Gutachten wird auf Seite 37 unter Punkt 73. eindeutig festgestellt:
„Wenn er (der Arzt) einen Ausschluss der Arzneimittelsubstitution nicht für erforderlich erachtet, bringt er damit implizit zum Ausdruck, dass er im Hinblick auf seine Therapieentscheidung alle wirkstoffgleichen Präparate auch als therapeutisch gleichwertig ansieht.“ Und insofern haftet er für die Therapiefolgen!
Es drängen sich noch viele Fragen auf, hier nur einige davon:
! Wer von uns weiß denn schon, welche Generika-Hersteller von Pentoxifyllin die offizielle Zulassung für welche Indikationen haben?
! Steht hier nicht die nächste Falle, in die wir gelockt werden und bei der wir bei Bedarf mit Regress bedroht sind?
Stellen Sie sich vor, Sie haben ein orales Pentoxifyllin-Präparat mit auch im Beipackzettel benannter offizieller Indikationszulassung Tinnitus rezeptiert und „aut idem“ nicht angekreuzt. Dann bedeutet dies unter der derzeitigen gesetzlichen Regelung: der Apotheker sucht ein Präparat aus dem unteren Preisdrittel heraus und gibt dieses ab. Mit Ihrer Unterschrift bekunden Sie (siehe unwidersprochenes Gutachten), dass Sie die Präparate als gleichwertig ansehen. Dies hilft Ihnen nun aber leider gar nicht, wenn der Generika-Produzent keine offizielle Zulassung für diese Erkrankung erhalten hat – jetzt können Sie nämlich bei Bedarf von der Krankenkasse in Regress genommen werden – wegen „off label use“!
! Die Ausführungsbestimmungen des seit 1. März gültigen Gesetzes werden vor Juni/Juli 2002 den Apotheken nicht vorliegen. Werden wir uns jetzt schon wieder, wegen nicht getroffener Regelungen, von den Kassen und den Politikern für die Zeit ab März in den Medien unwidersprochen als Verschwender der Nation bezeichnen lassen müssen?
Dr. med. Erich Konietzke, Promenadenstraße 6–8, Bensheim
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