ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Verzögert eine PPI-Therapie die Diagnose eines Gastrinoms?

MEDIZIN: Referiert

Verzögert eine PPI-Therapie die Diagnose eines Gastrinoms?

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1370 / B-1145 / C-1070

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LNSLNS Protonenpumpenblocker (PPI) sind starke Säurehemmer, die in der Regel zu einer deutlichen Hypergastrinämie, zum Beispiel bei Patienten mit Refluxkrankheit der Speiseröhre führen. Da sie auch die Symptome von Patienten mit einem Zollinger-Ellison-Syndrom (Gastrinom) zu unterdrücken vermögen, könnte ihr weit verbreiteter Einsatz die Diagnose dieses seltenen Krankheitsbildes verzögern oder maskieren.
Die Autoren führten eine Studie über die Zahl der diagnostizierten Gastrinome vor Einführung der Protonenpumpenblocker und in den Jahren 1993 bis 1998 in zwei großen Gastroenterologiezentren durch. In der Tat fand sich eine Korrelation zwischen dem zunehmenden Einsatz von Protonenpumpenblockern und einer signifikanten Abnahme der jährlich diagnostizierten Gastrinome. Die Abnahme betrug in Italien 40 bis 62 Prozent, in den USA 28 bis 43 Prozent. Auf der anderen Seite führte die unter der Therapie zu beobachtende Hypergastrinämie zu einem Anstieg von fälschlicherweise diagnostizierten Gastrinomen um den Faktor 2,6.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die stark wirksamen Protonenpumpenblocker mit ihrer hohen antisekretorischen Aktivität die Diagnose eines Gastrinoms maskieren können und wahrscheinlich zu einer Verzögerung der Diagnosestellung führen, sodass Patienten mit einem Gastrinom, das in 60 Prozent der Fälle maligne ist, heute im Zeitalter der PPI meist in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung diagnostiziert werden. w

Corletto VD, Annibale B, Jensen RT et al.: Does the widespread use of proton pump inhibitors mask, complicate and/or delay the diagnosis of Zollinger-Ellisonsyndrome? Aliment Pharmacol 2001; 15: 1555–1561.

Dr. R. T. Jensen, NIH / NIDDK / DDB, Bldg 10, Rm 9C–103, Center Dr. MSCI 1804, Bethesda, MD 20892–1804, USA, E-Mail: robertj@bdg10.niddk.nih.gov

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