ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Idiopathischer Hörsturz: Neue Therapieoption mit H.E.L.P.-Apherese

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Idiopathischer Hörsturz: Neue Therapieoption mit H.E.L.P.-Apherese

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1387 / B-1180 / C-1106

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die H.E.L.P.-Apherese als einmalige ambulante Therapie ist eine wenig belastende Alternative zur Behandlung des akuten, idiopathischen Hörsturzes. In einer randomisierten, prospektiven Studie mit 201 Patienten erwies sich das Verfahren hinsichtlich des Hörgewinns nach 48 Stunden als vergleichbar effizient wie die Standard-Infusionstherapie mit Cortison, beim Sprachverständnis schnitt das Verfahren sogar signifikant besser ab.
Patienten mit ursprünglich hohem Fibrinogenspiegel profitierten vom H.E.L.P.-Verfahren dabei am stärksten, wie Dr. Markus Suckfüll (München) bei einer Veranstaltung der Firma Braun Melsungen in Frankfurt/Main ausführte. Die Heparin-induzierte extrakorporale LDL-Präzipitation (H.E.L.P.) wird seit circa 15 Jahren erfolgreich zur Therapie schwerer Fettstoffwechselstörungen eingesetzt; sie führt zu einer starken Reduktion von LDL-Cholesterin, Lipoprotein (a) und Fibrinogen, vermindert die Erythrozytenaggregation und erhöht den Sauerstoffdruck im Gewebe. Nach Angaben von Prof. Peter Schuff-Werner (Rostock) kann das Verfahren auch bei retinaler Ischämie oder akuter Pankreatitis eingesetzt werden. Notwendig sind dann wöchentliche Behandlungen in einem H.E.L.P-Zentrum, für die ein flächendeckendes Netz aufgebaut wurde.
Beim akuten Hörsturz dagegen reicht eine einmalige Behandlung aus, die etwa zwei Stunden in Anspruch nimmt, wie Suckfüll weiter darlegte. Dies wertete der Referent als deutlichen Vorteil gegenüber der Standardtherapie des akuten Hörsturzes, den jährlich etwa 340 000 Menschen in Deutschland erleiden. Als Kontraindikationen der H.E.L.P.-Apherese gelten Blutungsneigung und Herzrhythmusstörungen. Als Nebenwirkungen (3,9 Prozent) waren Hämatome an der Punktionsstelle bei 80 000 Behandlungen am häufigsten. Eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie ist laut Schuff-Werner nur in einem Fall von rund 200 000 Behandlungen mit der wiederholten Therapie bestätigt worden.
Für die Zukunft setzt der HNO-Arzt Suckfüll auf eine differenziertere Therapie des Hörsturzes, dessen Ursache bisher nur in 20 Prozent der Fälle zuzuordnen ist. Bei vaskulärer Genese sieht er dann die Indikation zur H.E.L.P.-Apherese, bei immunologischem Geschehen eine Cortisontherapie als sinnvoll an. Handelt es sich um die Reaktivierung einer latenten Herpes-Infektion, müsste die Gabe von Aciclovir wirkungsvoll sein. Die hyperbare Sauerstofftherapie hält Suckfüll für wenig wirksam, und sie könne mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen belastet sein. Dr. Renate Leinmüller
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