ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Endokrinologische Störungen: Jugendliche brauchen Übergangssprechstunde

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Endokrinologische Störungen: Jugendliche brauchen Übergangssprechstunde

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): A-1388 / B-1180 / C-1107

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Für die steigende Zahl junger Menschen mit angeborenen oder in der Kindheit erworbenen hormonellen Störungen ist der Übergang ins Erwachsenenalter eine besonders schwierige Zeit, bedingt sie doch einen Wechsel vom endokrinologisch versierten Pädiater zu einem vergleichbar kompetenten Spezialisten für Erwachsene. Eine „Übergangssprechstunde“ an (Universitäts-)Kliniken und ein geplantes Netzwerk zwischen Kliniken, endokrinologischen Schwerpunktpraxen und Hausärzten würde das Problem lösen.
Bisher existieren Übergangssprechstunden nur in sechs Kliniken, zum Teil ausschließlich für spezielle Krankheitsbilder wie Diabetes Typ 1 oder Ullrich-Turner-Syndrom. Wie Prof. Petra Schumm-Draeger (Frankfurt/
Main) sagte, kann die steigende Zahl der Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen der Hypophyse, Nebennieren, Schilddrüse, des Pankreas oder Hormonausfällen infolge einer Krebstherapie derzeit nicht optimal medizinisch betreut werden. Ursächlich sei die „völlig unzureichende Kommunikation“ zwischen den behandelnden pädiatrischen Ärzten und den Internisten im Schwerpunkt Endokrinologie, so die Referentin bei einem Pressegespräch der Firma Novo Nordisk im Rahmen des Endokrinologenkongresses in Göttingen.
Versorgungslücke muss geschlossen werden
Zum Bedarf liegen nur Schätzungen vor, erläuterte Prof. Wolfgang Sippell (Kiel); bundesweit geht er – ohne Diabetes mellitus – von Zahlen zwischen 10 000 und 20 000 aus. Das adrenogenitale Syndrom als seltene Erkrankung trete mit einer Häufigkeit von
1 : 10 000 auf, beim Ullrich-Turner-Syndrom dagegen ist mit 1 : 2 000 Mädchen zu rechnen. An Diabetes Typ 1 leiden 25 000 Betroffene im Alter von bis zu 19 Jahren, für den Typ 2 existieren keine verlässlichen Zahlen bei gesicherter steigender Tendenz. Darüber hinaus sind Kinder, die gemessen am Gestationsalter untergewichtig zur Welt kamen, einem erhöhten Risiko für ein metabolisches Syndrom ausgesetzt und deshalb ebenfalls in den Kreis der Betroffenen einzubeziehen.
Diese jungen Menschen mit chronischen, zum Teil hoch komplexen Erkrankungsbildern haben bei adäquater Betreuung eine gute Prognose und meist eine normale Lebenserwartung. Deshalb müsse die Versorgungslücke nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt und behoben werden, forderte Schumm-Draeger. Eine Kinder-Jugend-Ambulanz mit variablem Übergang zur internistisch-endokrinologischen Ambulanz ist aber offensichtlich nur in Ansätzen gelöst für Heranwachsende mit Cystischer Fibrose und teilweise für Onkolo-
gie-Patienten. In Kiel werden derzeit ein bis zwei junge Patienten pro Woche „übergeben“, wobei die Transitionszeit umso länger angesetzt wird, je komplexer die Erkrankung ist.
Langfristig seien aber nicht nur mehr dieser Sprechstunden notwendig, betonte Schumm-Draeger, sie müssten vielmehr innerhalb einer Netzstruktur zwischen universitärer Poliklinik, Schwerpunktpraxis und Hausärzten verankert werden. Denn die optimale Versorgung der endokrinologischen Störungen bei Jugendlichen müsse zwingend auch die Überwindung sektoraler Grenzen beinhalten.
Dr. Renate Leinmüller
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