VARIA: Schlusspunkt

Fonds: Wahl mit Qual

Dtsch Arztebl 2002; 99(20): [64]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Jede Bank hat ihre hauseigenen Fonds, das ist ja bekannt. Die Bandbreite der Produkte reicht vom kreuzlahmen, aber soliden Rentenfonds bis zum hoch spekulativen Neue-Markt-Fonds.
Wissen Sie, wie viele Investmentfonds in Deutschland oder Europa zum Vertrieb zugelassen sind? Für den europäischen Raum zählt die Statistik die sehr erstaunliche Menge von 25 000 Fonds, und davon geht gut ein Drittel in deutsche Depots. Und alle suggerieren dem Anleger, genau für ihn das Gelbe vom Ei zu sein. Wenn Sie jetzt schon die Ahnung beschleicht, wie schwierig da eine vernünftige Selektion ist, zwirbeln wir beide am gleichen roten Faden.
Das gilt umso mehr, wenn Sie sich mit dem Phänomen vertraut machen, dass in den USA bloß 10 000 Fonds am Markt angeboten werden. Der direkte Schluss, dass Investmentfonds hierzulande ein sehr lukratives Geschäft für die Banken sind, liegt somit doch sehr nahe, anders ist eine solche „Überversorgung“ nicht zu erklären. Jeder versucht, vom großen Kapitalkuchen möglichst viel abzubekommen.
Erstaunlicherweise führt der übersättigte Markt hierzulande (noch) nicht zu mehr Wettbewerb. Die Kosten deutscher Fonds sind nach wie
vor enorm hoch. Ein Vergleich aus den USA hilft uns hier auf die Sprünge. Der größte Indexfonds dort kostet jährliche Gebühren von 0,18 Prozent, während ein jüngst in Deutschland aufgelegter die Anleger erst mal mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und einer jährlichen Managementgebühr von 0,95 Prozent zur Kasse bittet, wer schröpft sagt, liegt möglicherweise nicht daneben.
Die großen deutschen Fondsgesellschaften haben im vergangenen Jahr auch einen ziemlich kräftigen Schluck aus der Pulle genommen. Fast im Gleichschritt (Adig, Dit, DWS) haben sie ihre jährliche Managementgebühr deutlich angehoben, teilweise verdoppelt.
Dabei haben die Institute auch keine Probleme, einen Fonds zu schließen, wenn er sich aufgrund zu geringer Volumina nicht mehr rechnet. In den vergangenen zwölf Monaten wurden insgesamt 60 Investmentfonds „liquidiert“, eine erstaunliche Bilanz für kostenbewuss-
tes Denken der Fondsbranche.
Wo wenig Transparenz, da ist der Drang nach höherer Weisheit umso größer. Wie also finde ich den besten Fonds? Diese einfache Frage wird doch wohl irgendjemand vernünftig beantworten können, zumal es ja mittlerweile auch Ratingagenturen (Feri Trust, Lipper und andere) gibt, die mehr oder minder schlau beweisen, wie gut oder schlecht ein Fonds ist.
Das Problem ist aber nur, dass die unterschiedlichen
Ratingagenturen oft genug nicht immer dieselben Fonds
als „Die Besten“ bewerten. Das gilt übrigens auch für die
meisten Wirtschaftsmagazine. Der Fondsgewinner des ersten Quartals 2002 ist selten mit dem des ersten Quartals 2003 identisch. Die Qual der Wahl bleibt also. Die quälenden Kosten bleiben leider auch.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema