ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2002Dr. Hofstetter liebt a3. Und Sie?

VARIA: Post scriptum

Dr. Hofstetter liebt a3. Und Sie?

Pfleger, Helmut

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Der Schäferhund war außer sich vor Begeisterung. Oder Aufregung. Dr. med. Hans-Joachim Hofstetter, sein „Herrchen“ (was angesichts seiner Erscheinung etwas seltsam klingt), hatte eben den Siegespreis als bester Blitzspieler (nur fünf Minuten Zeit für jeden Spieler pro Partie) gewonnen, lautes Bellen verkündete es auch dem Letzten im Kurhaussaal in Bad Neuenahr.
Mal was anderes. Schließlich hatte der Journalist der „Rhein-Zeitung“ beim Blick über die mucksmäuschenstill ihrem Schachhandwerk nachgehenden Kollegen gemeint: „Angenehm, diese Stille – das habe ich leider selten in meinem Beruf!“ Und dann noch erstaunt: „Die sehen ja alle ganz normal aus!“ Ob sich seine Verwunderung auf die Spezies der Schachspieler oder Ärzte oder deren aparte Mischung bezog, vergaß ich leider zu fragen.
Zurück zu Dr. Hofstetter, einem Mann der Gegensätze. Jagt er an einem Tag die Figuren übers Brett, dass manch einer kaum mit dem Auge, geschweige denn mit dem Verständnis folgen kann und insofern stillschweigend impliziert, dass alles trotz der Schnelle wohl hervorragend sei, so lässt er sich ein andermal auch wieder drei Tage Zeit für einen einzigen Zug. Diese Schule der Langsamkeit heißt auch Fernschach.
Und nun muss ich doch von einer kleinen Anormalität des augenärztlichen Kollegen aus Bad Kissingen berichten. Als Weißer pflegt er seine Fernpartien mit dem eigenartigen Zug 1. a3 zu eröffnen. Angeblich keine Sehstörung mit Ausfall des zentralen Sichtfelds, sondern um seine Gegner von Beginn an auf ungewohnte Pfade zu locken. Verständlich, dass einem das Feld a3 mit der Zeit so ans Herz wächst, dass man es für alle Ewigkeit besitzen möchte und für seinen Erwerb sogar 1 000 Euro pro Jahr bezahlt. Wie das, fragen jetzt Sie sich vielleicht etwas verblüfft?!
Nun, der Deutsche Schachbund sucht für die 64 Felder des Schachbretts Förderer, die so die in letzter Zeit so erfolgreiche Nationalmannschaft unterstützen. Dafür wird man auf einem besonderen Schachbrett der Nationalmannschaft – real und virtuell im Internet – eingraviert, einmal im Jahr zu einem Abendessen mit den Großmeistern eingeladen und so weiter.
Zum Schluss einen schachlichen Leckerbissen Dr. Hofstetters (einziges Manko: das Feld a3 spielt keine Rolle). Sehen Sie, wie er als Schwarzer am Zug gegen Jens-Frieder Mükke (der auch im Vorderfeld landete) mit kombinierten Drohungen zwangsläufig eine Figur gewann?

Lösung:
Nach 1. . . . Dg5! war nicht nur der angegriffene Springer f4 gedeckt, sondern es drohte auch unmiss-
verständlich Matt auf g2 und –
besondere Gemeinheit – das Schlagen des Springers e5, weil der Bauer d4 gefesselt ist. Weiß ist in jedem Fall verloren. Er versuchte noch das plausible 2. Dg3, doch nach 2. . . . Txe5! war der Springer futsch (3. dxe5 Dxg3 – nun ist der Bauer f2 durch den Läufer b6 gefesselt – oder 3. Dxg5 Txg5).

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