ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Arzt und Geschäft: Gesundheitsladen

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Arzt und Geschäft: Gesundheitsladen

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Eine völlig neue Zielgruppe können sich Ärzte erschließen, „die sich auf den Wandel im Gesundheitswesen einstellen und mit hochwertigen Gesundheitsleistungen außerhalb der klassischen Heilkunde nachfrageorientiert agieren“. So wirbt eine Firma, die Diätprodukte vertreibt, um Ärzte. Vordergründig arbeiten solche Ärzte als Ernährungsberater, indirekt vertreiben sie ein nahrhaftes Pulver.
Eine andere, den Ärzten besonders verbundene, Firma verlegt sich auf das Marketing für Gesundheitsleistungen, die tatsächlich oder angeblich von der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden. So nebenbei geht es dabei auch um den Verkauf von Versicherungsprodukten einer privaten Krankenversicherung.
Bei den Patienten schlagen solcherlei Aktivitäten zunehmend durch und ins Portemonnaie. Da ist der Doktor, der seinem übergewichtigen Patienten eine Spezialdiät empfiehlt. Da ist der Gynäkologe, der einer Patientin die Sonographie verweigert, weil sie von der Kasse nicht bezahlt werde, zugleich aber privat eine anbietet. Da ist der HNO-Arzt, der nach dem Hörsturz eine kostspielige Akupunkturserie, selbstverständlich bar zu bezahlen, nahe legt. Da ist der Hautarzt, der neuerdings die Warze als kosmetisches und deshalb privat zu beseitigendes Problem ansieht.
In manche Arztpraxis hat die Ökonomie nicht nur via Kostendämpfung Einzug gehalten, sondern in Gestalt der reinen Marktwirtschaft. Viele Ärzte glauben sich mit ihrer Handlungsweise im Recht – auch weil sie sich mit ihren Nöten und Kosten von der Gesetzlichen Krankenversicherung im Stich gelassen fühlen. Ihnen fehlt das Bewusstsein, mit Marketing am Rande des ärztlichen Berufes in seiner herkömmlichen Art – der Arzt ist kein Gewerbetreibender – zu operieren.
Über kurz oder lang wird der Patient merken, dass sein Doktor, dem sein volles Vertrauen gehört und dem er deshalb sogar die neuen merkwürdigen Empfehlungen abgenommen hat, sein Vertrauen missbraucht hat.
Dann ist die Basis des Arztberufes dahin. Norbert Jachertz
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