ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Arzneimittel-Versand: Das letzte Gefecht

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Arzneimittel-Versand: Das letzte Gefecht

Dtsch Arztebl 2002; 99(21): A-1397 / B-1165 / C-1089

Korzilius, Heike

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LNSLNS Noch geben sich die Apotheker nicht geschlagen. Obwohl sich eine Freigabe des Versandhandels mit Arzneimitteln abzeichnet – Äußerungen von Bundgesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine Empfehlung des Runden Tisches und massives Lobbying der Krankenkassen sprechen dafür –, kämpfen sie tapfer weiter gegen die aus ihrer Sicht drohende Systemveränderung. Der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Hans Günter Friese, wird nicht müde zu betonen, dass der Versandhandel neben der Arzneimittelsicherheit auch die Existenz der gut 21 500 öffentlichen Apotheken und damit die wohnortnahe, flächendeckende Versorgung gefährde. Denn Versandhandel sei nur als „Rosinenpickerei“ denkbar, das heißt durch den Vertrieb hochpreisiger Medikamente. Damit verdienen aber auch die deutschen Apotheker ihr Geld und, so die Argumentation, subventionieren auf diese Weise unter anderem Nacht- und Notdienste.
Seit gut drei Wochen wirbt die Zunft mit der „Initiative Pro Apotheke“ auch bei ihren Kunden um Unterstützung für ihr Anliegen. Mehr als eine Million Unterschriften von Versandhandelsgegnern habe man bereits gesammelt.
Bei Ministerin Schmidt trifft diese Aktion auf wenig Gegenliebe. In ihrem Haus hält man die Befürchtungen der Apotheker ohnehin für übertrieben. Aufgrund von Erfahrungen aus Ländern wie den USA oder der Schweiz, die den Arzneiversand erlauben, könne man davon ausgehen, dass nur etwa acht Prozent der Versicherten diese Vertriebsform nutzten. Der Versandhandel ergänze das bestehende Angebot.
Um zu verhindern, was mit Blick auf Europa kaum zu verhindern ist, haben die Apotheker nun eigene Spar- und Servicevorschläge unterbreitet. Dazu gehören eine Änderung der Arzneimittelpreisverordnung und die Einrichtung eines Lieferservice durch pharmazeutisches Personal. Konkrete Belege für die Gefahren des legalen Versandhandels oder seine systemsprengende Wirkung bleiben die Apotheker hingegen schuldig. Heike Korzilius
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