ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Arbeitszeiten: Hessen prüfte Kliniken

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Arbeitszeiten: Hessen prüfte Kliniken

Dtsch Arztebl 2002; 99(21): A-1400 / B-1168 / C-1092

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LNSLNS Mangelnde Arbeitszeiterfassung bei Ärzten kritisiert
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 3. Oktober 2000 zum Bereitschaftsdienst in Krankenhäusern hat auch deutsche Politiker wachgerüttelt. So schickte die unionsgeführte hessische Landesregierung Mitarbeiter der Arbeitsschutzbehörde in Krankenhäuser, um dort die Einhaltung der Arbeitszeitregelungen zu überprüfen. Die Behörde kontrollierte im letzten Jahr 19 Krankenhäuser. Die dreimonatige Untersuchung schloss 630 Ärzte und 1 249 Pfleger ein.
Auf eine große Anfrage der SPD-Fraktion hin präsentierte Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) nun das ernüchternde Resultat: Bei den 630 Ärzten ermittelten die Beamten über 1 500 Überschreitungen der täglichen Höchstarbeitszeit. Die Zahl der zugelassenen Bereitschaftsdienste pro Monat werde überschritten, Ruhezeiten während des Bereitschaftsdienstes werden nicht eingehalten. Ärzte im Praktikum (ÄiP) trifft es besonders. Von den 57 überprüften ÄiP befolgten 34 die vorgeschriebene Ruhezeitregelung nicht. Bei Assistenzärzten sieht die Situation nicht viel besser aus.
Die Arbeitsschützer kritisierten vor allem die mangelnde Arbeitszeiterfassung bei Ärzten. So ließen sich zwar Belastungsschwerpunkte beschreiben, gesichert seien die Angaben aber nicht. Nur vier der untersuchten Kliniken verfügten über ein elektronisches Arbeitserfassungssystem für Ärzte. Bei allen anderen wurden Dienstpläne, Stationsbücher, Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie persönliche Aufzeichnungen hinzugezogen. Die Unterlagen ließen jedoch meist keine Angaben über die Belastungen während eines Bereitschaftsdienstes zu. Gerade dann erledigten Ärzte häufig ihre Dokumentationspflichten. Klar werde auch nicht, ob Ärzte ihre Pausen einhielten.
Das Sozialministerium forderte die Kliniken auf, die Missstände zu beheben. In einem Fall wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Nun sollen neue Arbeitsmodelle entwickelt und getestet werden.
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