ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Klinik-Arbeitszeit: Unausgereiftes Angebot inakzeptabel
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LNSLNS Die Assistenzärzte des Klinikums lehnen eine Umsetzung des EuGH-Urteils selbstverständlich nicht grundsätzlich ab, das von der Geschäftsführung vorgelegte unausgereifte Angebot erschien aber aufgrund der Rahmenbedingungen inakzeptabel. Die zu erwartenden finanziellen Einbußen spielten in den Verhandlungen hierbei keineswegs die Hauptrolle, wie Ihr Bericht den Eindruck erweckt. Hauptbeweggründe für die Ablehnung waren vielmehr
- die konzeptionelle Unausgereiftheit des von der Geschäftsführung vorgelegten Arbeitszeitmodells, das fächerübergreifende Bereitschaftsdienste für vier chirurgische Disziplinen vorsah. Dies würde bedeuten, dass in einem Krankenhaus der Maximalversorgung akuttherapeutische fachspezifische Entscheidungen von fachfremden Kollegen getroffen werden müssten, was unter Umständen erhebliche Nachteile und Gefährdungen für den betroffenen Patienten haben könnte;
- die Tatsache, dass die Besetzung der interdisziplinären Notfallzentrale (die bislang von den Bereitschaftsdiensten der jeweiligen Kliniken mitversorgt werden muss) nicht geregelt war;
- dass der zusätzliche Personalbedarf für die Umsetzung eines solchen Arbeitszeitmodells nicht in ausreichendem Maße zugesichert wurde;
- insbesondere aber, dass die ärztliche Weiterbildung der betroffenen Kollegen mit der neuen Arbeitszeitregelung gefährdet wäre (häufige Nachtdienste, reduzierte Teilnahme an Operationen, die überwiegend vormittags stattfinden).
Ein finanzielles Ausgleichsangebot in Höhe von 850 Euro oder 70 bis 80 Prozent der finanziellen Einbußen war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Verhandlungen. Diese Zahl ist frei erfunden und tauchte erstmals nach Scheitern der Verhandlungen in der Presse auf. Vielmehr wurde seitens der Geschäftsführung ausdrücklich eine „kostenneutrale“ Umsetzung des Arbeitszeitmodells angestrebt . . .
Dr. med. C. Witzenhausen, S. Kaiser, Assistentenrat der Helios-Klinikum Erfurt GmbH, Nordhäuser Straße 74, 99090 Erfurt
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