ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Qualität der Angaben von Todesbescheinigungen: Missverständliche Definition
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LNSLNS Stellt sich die Epidemiologie als eine interdisziplinäre Wissenschaft dar, so sollte auch eine übereinstimmende Definition der verwendeten Begriffe zu erwarten sein. Missverständlich wird oftmals in veröffentlichten Untersuchungen zur Morbidität nichtübertragbarer Krankheiten der Begriff „Letalität“ interpretiert und mit dem Begriff „Fatalität“ verwechselt, so auch in der Arbeit von Schubert-Fritschle et al.
Wird Letalität als Quotient aus Mortalität und Inzidenz definiert, entspricht das dem, was Angelsachsen fatality rate nennen. Das Verhältnis von Sterbe- und Zugangsraten – einfach als Fatalität genannt – ist eine Morbiditätsziffer zweiter Ordnung, die lediglich anzeigt, in welchem Ausmaß der Abgang durch Tod vom Bestand an Erkrankten den Zugang durch Neuerkrankung über- oder unterschreitet. Diese Ziffer entspricht auch deshalb nicht der Letalität, weil die Sterberate des Bestandes an Erkrankten unter Umständen höher sein kann als die Neuerkrankungsraten, was in einem solchen Fall auf eine Reduzierung des Bestandes an Erkrankten hinweist. Die Letalität misst hingegen in einem bestimmten Zeitraum die Häufigkeit des Abganges durch Tod mit oder infolge einer bestimmten Krankheit in dieser Population von Erkrankten.
Ist die Fatalität demzufolge eine epidemiologische Messziffer, die ein Überwiegen des Abganges vom oder ein solches des Zuganges zum Bestand Erkrankter anzeigt, verstehen kurativ tätige Ärzte unter Letalität das Verhältnis von Gestorbenen zu allen wegen der gleichen Krankheit Behandelten.

Dr. med. Alfred Schubert
Mecklenburger Allee 22
17235 Neustrelitz

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