ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Qualität der Angaben von Todesbescheinigungen: Schlusswort
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LNSLNS Erwartungsgemäß hat sich in den eingegangenen Zuschriften und Kommentaren niemand darüber beklagt, dass die Regeln zum Ausfüllen von Todesbescheinigungen nicht bekannt seien und deshalb die Hypothesen zur erhöhten amtlichen Mortalität wohl berechtigt sein dürften. In den Leserzuschriften wurde die Tatsache erwähnt, dass Todesbescheinigungen teilweise nicht vom behandelnden Hausarzt, sondern im Notdienst von Kollegen ausgefüllt werden, die den Patienten nicht kannten.
Als weiteres Problem wurde zum Ausdruck gebracht, dass wegen der unklaren Finanzierung die Sorgfalt bei der Feststellung der Todesursache sinken und damit die Qualität der Todesbescheinigungen schlechter werden dürfte. So teilte beispielsweise ein niedergelassener Arzt mit, eine Obduktion für einen zu Hause Verstorbenen werde von niemandem gezahlt und deshalb im Ernstfall nicht vorgenommen.
Auch ist niemand offiziell auf die logische Konsequenz aus unseren Ergebnissen eingegangen, dass die Diskussion zur suboptimalen Versorgungsqualität am Onkologiestandort Deutschland mit dem Zutreffen der gemachten Aussagen eigentlich revidiert werden müsste. Ergänzend soll hier nochmals bemerkt werden, dass auch die Modellprojekte zur Brustkrebsfrüherkennung teilweise auf falschen Annahmen zur Mortalität beruhten.
Wichtig sind weitere Studien und Forschungsprojekte zur Stützung der im vorliegenden Artikel formulierten Hypothesen beziehungsweise zur Schätzung der Krebsmortalität insbesondere bei prognostisch günstigen Tumoren.
Zum Leserbrief von Dr. Schubert ist folgendes zu bemerken: Der Quotient aus Mortalität und Inzidenz wurde nicht als Letalität definiert, sondern dieser Quotient wurde als geeigneter Schätzwert für die Letalität beziehungsweise als Schätzwert für die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Krebserkrankungen empfohlen. Die Letalität quantifiziert die Wahrscheinlichkeit zu sterben unter der Bedingung, erkrankt zu sein.
Während sich die Sicht des Epidemiologen im Allgemeinen auf Populationen richtet und den Anteil Erkrankter oder auch Verstorbener auf eine definierte Bevölkerung bezieht, hat der Arzt meist ein Klientel von Erkrankten/Behandelten (oft auch das von ihm behandelte Patientenkollektiv) als Bezugsgröße im Blick. Diese Untergruppen können aufgrund kleiner Fallzahlen oder durch unterschiedlich wirkende Selektionseinflüsse wie Schweregrad der Erkrankung, Alter der Patienten oder deren unterschiedliches soziales Umfeld deutlich andere prognostische Eigenschaften aufweisen, als sie in einer Gesamtpopulation zu erwarten wären. Entsprechend variieren dann die betrachteten Zielkriterien.
Das Bewusstsein für derartige Zusammenhänge muss geschärft werden und die Interpretation von epidemiologischen Maßzahlen, von Ergebnissen klinischer Studien oder von eigenen Behandlungsergebnissen sollte den genannten Phänomenen Rechnung tragen.

Dr. rer. biol. Gabriele Schubert-Fritschle
TRM/Klinikum Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München

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