ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Sympathische Reinnervation: Gute Aussichten für Herztransplantat-Empfänger

MEDIZIN: Referiert

Sympathische Reinnervation: Gute Aussichten für Herztransplantat-Empfänger

Dtsch Arztebl 2002; 99(21): A-1445 / B-1229 / C-1153

goa

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LNSLNS Positive chronotrope und inotrope Effekte, die mit einer partiellen Wiederherstellung der sympathischen Innervation des transplantierten Herzens einhergehen, führen zu einer deutlich verbesserten kardialen Funktion und körperlichen Belastbarkeit des Transplantatempfängers.
Ein Münchner Forscherteam konnte in einer früheren Studie nachweisen, dass im Laufe der Zeit immer größere Myokardareale sympathisch reinnerviert werden – ein Prozess, der bis zu 15 Jahre nach der Transplantation noch nicht endet. Ermöglicht die verbesserte adrenerge Innervation aber auch eine normale körperliche Leistungsfähigkeit?
Zur Klärung quantifizierten die Forscher nichtinvasiv bei 29 Empfängern von Herztransplantationen das Ausmaß der myokardialen Reinnervation (PET mit dem Katecholamin-Analogon [11C]-Hydroxyephedrin) und maßen dann die globale und regionale Ventrikelfunktion in Ruhe und während eines standardisierten Belastungstests. Die Ergebnisse wurden mit den Werten von zehn gesunden Kontrollpersonen verglichen.
Die sympathische Reinnervation war hauptsächlich in der anteroseptalen Wand erfolgt, und zwar bei den 16 der 29 Patienten, die Herzen von jüngeren Transplantatspendern erhalten hatten und bei denen die Transplantation schon länger zurücklag. Im Ruhezustand fanden sich keine hämodynamischen Unterschiede zwischen diesen Patienten und den Patienten mit bestehender Denervation.
Unter Belastung zeigte jedoch die Gruppe mit Reinnervation eine höhere Spitzenherzfrequenz (143 5 15 Schläge pro Minute gegenüber 121 5 13 pro Minute), eine längere Belastungsdauer (8,2 5 1,2 gegenüber 6,1 5 1,5 Minuten) und eine signifikant verbesserte Ventrikelkontraktion – diese entsprach sogar den Werten der gesunden Kontrollgruppe. Die multivariate Analyse der Daten identifizierte die Reinnervation als einzige unabhängige Determinante für diese verbesserte Leistung.
Dies sind gute Aussichten für Empfänger von Herztransplantationen, so die Autoren, doch limitieren leider auch andere Faktoren wie der immunologische Verlauf nach der Transplantation oder eventuell schon vorbestehende Skelettmuskeldeformitäten bei bestimmten Herzfehlern die Myokardkontraktilität und damit die körperliche Belastbarkeit des einzelnen Betroffenen. goa

Bengel F M et al.: Effect of sympathetic reinervation on cardiac performance after heart transplantation. N Engl J Med 2001; 345: 731–738.

Frank M. Bengel, Nuklearmedizinische Klinik und Poliklinik der Technischen Universität, München.

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