ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Beteiligungsmodelle: Windkraft im Aufwind

VARIA: Wirtschaft

Beteiligungsmodelle: Windkraft im Aufwind

Staudte, Werner

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Für den Strom aus Windkraft sind ansehnliche Garantiepreise festgeschrieben. Foto: H.-G. Oed
Für den Strom aus Windkraft sind ansehnliche Garantiepreise festgeschrieben. Foto: H.-G. Oed
Trotz der Eingriffe des Gesetzgebers werden mit Beteiligungsmodellen noch gute Geschäfte gemacht.

Neun Milliarden Euro haben Bundesbürger im letzten Jahr in geschlossene Fonds investiert. Jeder fünfte Euro kam von Unternehmern, Selbstständigen und Freiberuflern. Einen dramatischen Einschnitt in den Markt für geschlossene Fonds bedeutete die Einführung des § 2b in das Einkommensteuergesetz. Seit dem 1. Januar 2001 darf die für Steuersparer so verlockende Vokabel „Verlustzuweisungen“ nicht mehr verwendet werden. Heute sind das die „anfänglichen steuerlichen Negativergebnisse“, die zudem erheblich eingeschränkt wurden. Daraufhin ist die Verlustquote aller Fonds in den ersten vier Jahren von 113 Prozent im Jahr zuvor auf nur noch 70 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das und andere Daten der Branche hat der auf diesem Gebiet seit Jahren tätige Experte Stefan Loipfinger, Griesstätt, in einer repräsentativen Umfrage festgestellt.
Am stärksten von den schrumpfenden Anfangsverlusten betroffen sind die geschlossenen Immobilienfonds, die in Deutschland investieren. Bei ihnen ging das Negativergebnis von 77 auf nur noch 31 Prozent zurück. Dennoch flossen den Initiatoren dieser Fonds immer noch zwei Milliarden Euro neues Kapital zu. Das ist, wenn auch mit einer Tendenz nach unten, nach wie vor der größte Anteil am Gesamtmarkt der Branche. Mit 2,3 Milliarden Euro investierten aber deutsche Anleger erstmals mehr Geld in Auslandsfonds als in Inlandsmodelle. Bevorzugte Länder waren dabei die USA und Holland. Besonders begehrt bei den Anlegern sind ferner Medienfonds (2 Milliarden Euro; 22,7 Prozent Anteil), Schiffsbeteiligungen (1,5 Milliarden Euro; Anteil 16,4 Prozent) und Windkraftanlagen (405 Millionen Euro; 4,5 Prozent Anteil). Die Windkraft befindet sich bei den Fondszeichnern in einem ständigen Aufwind, der auch im laufenden Jahr anhält. Der Anteil dieser Fonds am Gesamtmarkt hat sich von 1998 bis 2001 mehr als verdoppelt.
Die Anteilseigner beziehungsweise Mitunternehmer bei Schiffen, Medienunternehmen, Filmen und Windmühlen schneiden auch bei den negativen Einkünften besser ab. Sie betragen in der Seefahrt 63 Prozent, bei der Windkraft 93 Prozent und bei den Medien sogar 117 Pro-zent. Diese hohen Verluste führt Martin Witt vom Branchenbeobachter Fondscop, Berlin, auf § 248 des Handelsgesetzbuches zurück. Der enthält ein Aktivierungsverbot für immaterielle Wirtschaftsgüter, wie es Filmrechte sind.
Ein kleiner Ausgleich für weniger Abschreibungen sind höhere Ausschüttungen. Weil das Steuersparen über die geschlossenen Fonds zwar immer noch das Hauptmotiv für die Anleger, aber nicht mehr ganz so reizvoll wie in der Vergangenheit ist, müssen die Fonds-Anbieter mehr auf Substanz und Erträge achten. Das wirkt sich außer bei den Windkraft-Kapitalanlagen auf fast alle Fondsarten aus. So zahlten die geschlossenen Immobilienfonds in Deutschland im Jahr 2001 5,6 nach 5,4 Prozent im Jahr 2000 aus. Hier ist das Bemühen um werthaltige Fonds besonders stark, weshalb für diese Sparte nach dem Rückschlag im Vorjahr wieder eine Aufwärtsentwicklung erwartet wird. Eine durchschnittliche Ausschüttung von 8,1 Prozent bei den US-Immobilienfonds (nach 7,2 Prozent) bedeutete eine Rekord-Rendite. Noch besser stehen die Zeichner der Schiffs-Fonds da. Sie kassierten für ihre Anteile an den Bulkcarriern, Tankern und Containertransportern 8,1 nach zuvor nur 5,8 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass die über Fonds finanzierten Schiffe vorwiegend in Südkorea bestellt wurden. Dabei wurden zwei Vorteile wirksam: Günstige Preise und die bei der dort praktizierten Yen-Finanzierung erzielten Währungsgewinne. Inzwischen sind jedoch die Frachtraten für die Schiffe stark gesunken.
Die hohe Ausschüttung von 18,6 Prozent bei den Medienfonds sind in erster Linie auf einen Wandel im Angebot zurückzuführen. Die früher üblichen Leasingmedienfonds ohne laufende Ausschüttung werden zunehmend von unternehmerisch orientierten Medienfonds abgelöst. Da profitiert der Anleger deutlich mehr, geht aber als Mitunternehmer auch ein deutliches Risiko ein. Wenn die Produktionskosten eines Films wegen teurer Stars oder eines schlechten Regisseurs stark überschritten werden, oder die Produktion an den Kinokassen nicht zum Kassenschlager wird, kann schnell eine Nachschusspflicht des Gesellschafters wirksam werden.
Ausblick auf 2002
Die einzige Fondsart, bei der die Ausschüttung von 8,1 auf 6,2 Prozent gesenkt worden ist, sind die Windkraftanlagen. Zwar sind die ansehnlichen Garantiepreise für den Strom aus dem Wind festgeschrieben. Noch für vier Jahre gibt es 9,10 Cent pro Kilowattstunde, danach 6,19 Cent. Kritisch bei diesen Anlagen ist aber die immer schwieriger werdende Standortwahl. Zudem sagt man den Initiatoren nach, dass sie zu wenig Geld für die Wartung, die Reparaturen und den späteren Abbau sowie die Verschrottung der Turbinen zurücklegen.
Von den Fondszeichnern sind – gemessen am Zeichnungsvolumen – zwölf Prozent Unternehmer und Selbstständige und knapp sieben Prozent Rechtsanwälte, Steuerberater und andere Freiberufler. Die durchschnittliche Zeichnungssumme aller mehr als 166 000 Anleger, die in Loipfingers Studie erfasst sind – das sind rund 75 Prozent des gesamten Marktvolumens – ist von gut 45 000 auf 40 700 Euro gesunken. Das zeugt von einer Erweiterung der Zielgruppen für Beteiligungsmodelle. Dass sich auch kleinere Anleger für das Steuersparen interessieren, zeigt die Tatsache, dass die Beteiligungssumme bei den Windkraftfonds nur bei rund 22 000 Euro liegt.
Rechercheur Loipfinger hat auch 240 Fondsgesellschaften danach gefragt, was sie im laufenden Jahr vorhaben. Davon scheiden acht Anbieter, darunter so bekannte Namen wie Bast-Bau, Erkrath, Rosche Finanz, Freiburg oder Rentaco, Berlin, aus, weil sie sich im Insolvenzverfahren befinden. Weitere 15 Gesellschaften, darunter Baltic Capital, Hamburg, BBV Immobilien, München, Grund + Renten, Berlin, oder Hanseatic, Hamburg, haben sich entschlossen, im laufenden Jahr keine neuen Fonds aufzulegen, sondern nur noch die vorhandenen Bestände zu verwalten.
Immobilienfonds sind nach wie vor der beliebteste Tum-melplatz der Fondsinitiatoren (Tabelle). Dabei ist neuerdings auch wieder der Wohnungsbau im Fokus, weil sich da inzwischen ebenso gutes Geld verdienen lässt wie bei einem geschlossenen Fonds für Alten- und Pflegeheime, die in den Verkaufsprospekten unter Seniorenresidenzen firmieren. Besonders optimistisch gehen die Anbieter von Schiffs- und Windkraftbeteiligungen ans Werk. Für die Schiffe wird mehr als eine Verdoppelung des Zeichnungsvolumens auf über drei Milliarden Euro im laufenden Jahr erwartet. Und die Anbieter von Windkraftfonds wollen die Zeichnungssumme mit rund 1,5 Milliarden Euro sogar verdreifachen.
Wer unter all diesen Angeboten nichts Passendes findet, dem stehen auch ungewöhnlichere Beteiligungsmodelle zur Verfügung. So wird die Gesellschaft Apollo Medien in München in diesem Jahr einen Event-Fonds für die Erträge aus besonders spektakulären Veranstaltungen auflegen, mit denen die Wirtschaft ihre Verkäufer motiviert oder die besten prämiiert. Bei Blue Capital in Hamburg kann man sich an einem Fonds für Bordeaux-Weine beteiligen, bei Direct Invest in Düsseldorf an einem Fonds für edle Zigarren. Die Schöbel UN Gruppe in Nordhorn will von den Erträgen in Autobahnrasthöfen profitieren, und Sport Concept in Mannheim legt einen Fußballfonds auf, der von den Transfer-Erlösen der Profis leben soll.
Wie sollte sich ein steuersensibler Interessent bei der Auswahl geschlossener Fonds verhalten? Er muss sich vor allem bewusst sein, dass er mit seiner Beteiligung stets ein unternehmerisches Risiko eingeht. Auf alle Fälle sollte er die Verkaufsprospekte zusammen mit seinem Steuerberater studieren. Bei den verschiedenen Offerten sollten sich Anleger auf erfahrene Fondsgesellschaften möglichst mit Bankhintergrund oder auf reine Bankanbieter konzentrieren. Immerhin befinden sich unter den Anbietern geschlossener Fonds die Commerzbank, HSBC Trinkaus & Burkhardt, DZ- und BfG Bank, die Depfa und die Westdeutsche Landesbank sowie zahlreiche renommierte Leasinggesellschaften. Vor überzogenen Rendite- und Verlust-Versprechen muss man sich hüten. Besonders gefährlich ist es vor allem, wenn die Verkäufer zeitlich drängen, weil angeblich der Fonds schon weitgehend gezeichnet ist und nur noch wenige Anteile zur Verfügung stehen. Mit solchen Druckmitteln wird besonders zum Jahresende gearbeitet. Aber wer in diesen Zeiten – die drohende Steuerbelastung vor Augen – übereilt geschlossene Fonds gezeichnet hat, ist nicht selten auf die Nase gefallen. Werner Staudte
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