ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Indexorientierte Geldanlagen: Spekulieren mit dem Gesamtmarkt

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Indexorientierte Geldanlagen: Spekulieren mit dem Gesamtmarkt

Jobst, Peter

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Der Wert einer indexorientierten Geldanlage bemisst sich weitgehend nach dem gewählten Börsenindex, zum Beispiel dem Deutschen Aktienindex DAX. Foto: ddp
Der Wert einer indexorientierten Geldanlage bemisst sich weitgehend nach dem gewählten Börsenindex, zum Beispiel dem Deutschen Aktienindex DAX. Foto: ddp
Indikator jeder Börsentendenz ist der jeweils maßgebliche Index. Auch Anleger haben die Möglichkeit, ihr Portefeuille nach DAX oder dem Dow-Jones-Index auszurichten.

Ein steigender Börsenindex allein genügt noch nicht, um auch Gewinne zu erzielen. Entscheidend ist, welche Papiere ausgewählt wurden. Denn selbst in einer Hausse gibt es „Verlierer-Papiere“ und auch in einer Baisse legen einige Aktien deutlich zu. Der Aufwand für die Wertpapierselektion ist jedoch groß, und auch Profis sind vor Fehlentscheidungen nicht sicher. Immer mehr Investoren setzen daher auf indexorientierte Geldanlagen, deren Wert sich weitgehend nach dem gewählten Börsenindex bemisst.
Klassische Beispiele der indexorientierten Geldanlage sind die Indexfonds und die indexorientierten Investmentfonds. Dabei handelt es sich um standardisierte Investmentfonds, die ihr Portefeuille ausschließlich oder weitgehend nach einem bestimmten Börsenindex ausrichten. Der Fondspreis steigt und fällt demnach mit dem gewählten Index.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht jeder Fonds die Zusammensetzung „seines“ Index genau nachbildet. Einerseits bestehen oftmals Höchstgrenzen für einzelne Wertpapiere, zum Beispiel auf zehn Prozent des gesamten Fondsportefeuilles, andererseits ist es wegen der Kosten nicht immer sinnvoll, jeden Zu- oder Abfluss beim Fondvermögen durch indexorientierte Käufe/Verkäufe nachzuvollziehen. Die meisten Fonds sind daher lediglich „indexorientiert“, das heißt, sie wählen als Indikator einen Index wie den DAX, werden aber je nach Marktlage mehr oder minder aktiv gemanagt. Hierfür berechnen die Fondsgesellschaften eine Verwaltungsgebühr.
Gehandelt wie börsennotierte Wertpapiere
Die zweite Möglichkeit, an der Wertentwicklung eines Index teilzuhaben, sind die Indexzertifikate. Rechtlich handelt es sich dabei um unverzinsliche Inhaberschuldverschreibungen, deren Rückzahlungspreis an einen bestimmten Aktienindex gebunden ist. Notiert zum Beispiel der Deutsche Aktienindex DAX bei 5 300 Punkten, kostet ein Zertifikat, das den DAX im Verhältnis 1 : 1 widerspiegelt, 5 300 Euro. Der besseren Handelbarkeit zuliebe sehen die meisten dieser Papiere allerdings eine Koppelung im Verhältnis von 1 : 10 oder auch 1 : 100 vor; somit kostet ein entsprechendes Zertifikat nur 530 Euro beziehungsweise 53 Euro.
Gehandelt werden Indexzertifikate ähnlich wie andere börsennotierte Wertpapiere, das heißt, sie können jederzeit zum aktuellen Kurs gekauft oder auch wieder verkauft werden. Maßgeblich sind die für vergleichbare Transaktionen geltenden Gebührensätze. Die Wertentwicklung richtet sich noch exakter als bei einem Fonds nach dem Index, weil die Emittenten keinen Begrenzungen hinsichtlich bestimmter Höchstgrenzen einzelner Aktien unterliegen.
Während bei der Direktanlage ebenso wie bei der Fondsanlage der Teil des Ertrags dem Zinsabschlag beziehungsweise der Einkommensteuer unterliegt, der sich auf Zins- und Dividendeneinnahmen bezieht, sind viele Indexpapiere günstiger gestellt. Handelt es sich – wie beim DAX – um einen Performance-Index, werden die Dividenden bereits in die Wertentwicklung des Indikators eingerechnet, das heißt, der Anleger muss den Ertrag allenfalls dann versteuern, wenn er sich innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist von den Papieren trennt. Handelt es sich – wie etwa beim amerikanischen Standard & Poor’s-500-Index – um einen Preisindex, wird das Papier oftmals mit Discount gehandelt, sodass der Anleger einen gegebenenfalls steuerfreien Kursgewinn erzielt.
Neben dieser Standardvariante der Indexzertifikate, mit denen Anleger auf steigende Aktienkurse setzen können, gibt es auch Zertifikate, deren Kurs bei fallenden Börsennotierungen steigt. So hat die Bankgesellschaft Berlin mit dem „DAX-Bär“ (Wertpapier-Kennnummer 804 781) ein Papier aufgelegt, dessen Wert sich nach der Formel „12 000 minus Indexstand geteilt durch 100“ errechnet. Bei einem DAX-Stand von 5 300 Punkten kostet das Papier demnach 67 Euro. Fällt der Index auf 5 000 Punkte, ist das Zertifikat 70 Euro wert. Umgekehrt sinkt sein Wert im Fall einer steigenden Börsentendenz. Sollte der DAX beispielsweise bis zum Jahresende auf 7 000 Punkte klettern, ist das Papier nur noch 53 Euro wert.
Alternativ können Anleger jetzt auf eine weitere Möglichkeit setzen, an der Wertentwicklung eines Aktienindex zu partizipieren: Indexaktien, im Branchenjargon auch als „Exchange Traded Funds“ (ETF) oder „Listed Diversified Return Securities“ (LDRS) bezeichnet, werden inzwischen auch an der deutschen Börse gehandelt. Dabei handelt es sich – vom der Konstruktion her – um einen Indexfonds. Das eingesammelte Kapital wird in kleine Einheiten aufgeteilt, deren Kurs in der Regel 1/100 des zugrunde liegenden Index beträgt. An der Börse werden die Anteilscheine indes wie Aktien gehandelt und im Internet in einer eigenen Rubrik (www.exchangetraded funds.de) geführt. Die Werte können sowohl im XETRA-Handelssystem als auch über einen Börsenmakler täglich gekauft und auch wieder verkauft werden, die Kurse werden in sehr kurzen Abständen neu festgelegt – analog zur Indexveränderung. Dank niedrigerer Managementgebühren und günstiger Handelskosten bieten Indexaktien einen besonders preiswerten Einstieg in die indexorientierte Geldanlage.
Einer Tatsache müssen sich die Anleger jedoch bewusst sein: Alle standardisierten Index-Geldanlagen sind nur so gut wie der jeweilige Index. Steigt der Index, erhöht sich auch der Wert der Anlage, bei fallendem Index wird auch das investierte Kapital geschmälert.
Hier haben die klassischen Investmentfonds einen großen Vorteil – zumindest in der Theorie: Die Manager indexorientierter Investmentfonds – deren Statuten keine strenge Indexbindung vorsehen – können regulierend eingreifen. Sollte sich beispielsweise ein Wert aus einem Index als besonders attraktiv erweisen, können sie den Bestand in diesem Papier überproportional aufstocken. Weist indes ein Unternehmen hohe Verluste aus, können sie sich von diesen Aktien trennen und so die größten Risiken vermeiden. Ein Anleger mit Indexzertifikaten und Indexaktien dagegen ist der Entwicklung des Börsenindex „ausgeliefert“. Ein aktives Management gibt es hier nicht.
Es ist selten, dass der Index dauerhaft übertroffen wird
Andererseits darf allerdings auch dieses Management nicht überbewertet werden: Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass es nur wenigen Fondsmanagern gelingt, den Index dauerhaft zu übertreffen. Ein Indexzertifikat oder eine Indexaktie stellt daher eine hochwertige Alternative zu einem klassischen Investmentfonds dar. Denn: Langfristig werden alle Börsenindizes steigen. Gerade beim DAX erscheint derzeit der Zeitpunkt zum Einstieg noch günstig, weil das Frankfurter „Börsenthermometer“ immer noch mehr als 30 Prozent unter seinen Höchstständen von Anfang 2000 notiert. Peter Jobst
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