ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2002Berufsunfälle und -krankheiten: Preisgünstiger Schutz für niedergelassene Ärzte

Versicherungen

Berufsunfälle und -krankheiten: Preisgünstiger Schutz für niedergelassene Ärzte

Dtsch Arztebl 2002; 99(21): [79]

Bialas, Rolf

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LNSLNS Die Beiträge für die freiwillige Versicherung bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zählen zu den Betriebsausgaben.

Die gesetzliche Unfallversicherung ist vielen Bürgern in unserem Land nicht bekannt. Anders ist es bei der Ärzteschaft, die in Klinik und Praxis mit Berufsunfällen und Berufskrankheiten konfrontiert ist. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) – mit Sitz ihrer Hauptverwaltung in Hamburg – versichert kraft Gesetzes (SGB VII) alle abhängig Beschäftigten bei Wohlfahrtsorganisationen, Gesundheitseinrichtungen, Krankenhäusern und Arztpraxen, soweit die Unternehmen nicht als staatliche Einrichtungen bei Landesunfallkassen oder Eigenunfallkassen der Kommunen versichert sind.
Im SGB VII heißt es im § 6 Absatz 1: „Auf schriftlichen Antrag können sich versichern 1. Unternehmer und ihre im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten.“
Beispiele belegen Vorteile
Die BGW hat aufgrund dieses Paragraphen in ihrer Satzung die §§ 52 ff. aufgenommen, in denen es heißt: „Gegen die Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten können auf Antrag freiwillig versichert werden, soweit sie nicht kraft Gesetzes oder Satzung versichert sind, 1. selbstständig beruflich tätige Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und so weiter.“ Die Höchstversicherungssumme beträgt seit dem 1. Januar 2002 72 000 A. Die Höhe der Versicherungssumme kann von dem Versicherungsnehmer selbst bestimmt werden. Sie kann die Höchstversicherungssumme von 72 000 € nicht übersteigen. Die freiwillige Versicherung beginnt mit dem Tag nach dem Eingang des schriftlichen Antrags bei der Berufsgenossenschaft, sofern nicht ein späterer Zeitpunkt beantragt wird.
Mit diesen Satzungsbestimmungen hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege allen niedergelassenen freiberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzten eine günstige Versicherung gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten ermöglicht. Die Beiträge für die freiwillige Versicherung bei der BGW werden als Betriebsausgaben gebucht. Von dieser freiwilligen Versicherungsmöglichkeit haben viele Ärztinnen und Ärzte in der Vergangenheit Gebrauch gemacht, weil sie sich sagten, dass zum einen eine Berufskrankheit, insbesondere eine Infektion, nicht nur beim pflichtversicherten Personal, sondern auch beim Praxisinhaber auftreten kann. Darüber hinaus stehen die Wege niedergelassener Ärztinnen und Ärzte vom oder zum Patienten beziehungsweise von und zur Praxis als versicherte Wege unter dem Schutz der freiwilligen gesetzlichen Unfallversicherung.
Anhand einiger exemplarischer Beispiele möchte ich die Vorteile einer solchen freiwilligen Versicherung bei der BGW schildern.
- 1. Fall: Dr. V., Geburtsjahr 1939, freiwillig mit einem Jahresarbeitsverdienst von 108 000 DM (55 219,52 €) versichert, erlitt im Januar 1998 auf dem Weg von seiner Wohnung in S. zur Praxis in H. einen PKW-Unfall. Die Diagnosen lauteten: Milzruptur bei stumpfem Bauchtrauma, Commotio cerebri, HWS-Distorsion, Innenohrkontusion beiderseits, diverse Prellungen und Schürfungen. Arbeitsunfähigkeit bestand vom 1. Januar 1998 bis 1. Februar 1998 und vom 7. Juni 1998 bis 9. Juni 1998. Das Verletzungsgeld betrug für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit täglich 240 DM (122,71 €). Auf Kosten der BGW wurden Gutachten auf dem chirurgischen, internistischen, HNO-Fachgebiet sowie auf neurologischem und radiologischem Fachgebiet erstellt. Es wurde eine Gesamt-MdE von 30 Prozent festgelegt. Der Unfall vom Januar 1998 wurde als Arbeitsunfall (Wegeunfall) anerkannt. Es wurde ein Bescheid über eine Rente auf unbestimmte Zeit aufgrund einer Gesamt-MdE von 30 Prozent ab dem 2. Februar 1998 bis auf weiteres in Höhe von 30 Prozent der Versicherungssumme von 108 000 DM (55 219,52 €) berechnet, die in monatlichen Ratenzahlungen ausgezahlt wird.
- 2. Fall: Am 14. März 1996 erstattete der Direktor der Medizinischen Klinik, L., eine ärztliche Anzeige über eine Berufskrankheit bei dem selbstständigen Zahnarzt Dr. K., Jahrgang 1946. Seine Diagnose lautete chronische Hepatitis C, und es erfolgte eine Interferon-Therapie. Ein zweites fachärztliches Gutachten wird von Prof. O. am 3. Februar 1997 erstattet. Laut Beschluss der BGW vom
3. Dezember 1997 wird eine chronische Hepatitis C mit geringer Aktivität als Folge der Berufskrankheit anerkannt und ein Anspruch auf Dauerrente ab dem 6. August 1992 festgestellt. Nach § 45 SGB VII hatte Dr. K. Anspruch auf Verletztengeld, solange er wegen der Folgen des Versicherungsfalls arbeitsunfähig war und Arbeitsentgelt nicht bezogen hat. Da er seine Arbeitsunfähigkeit zwischen dem 20. März und 28. September mit 50 Prozent angab, wurde ihm dafür eine Nachzahlung von 17 734,60 DM (9 067,55 €) bewilligt. Dies war die Zeit, in der eine Kombinationstherapie mit Interferon und Ribavirin durchgeführt wurde. Die Behandlung wurde abgebrochen, da kein virologisches Ansprechen erkennbar war. Die Dauerrente beträgt 20 Prozent von 84 000 DM (42 948,50 €) Versicherungssumme, das heißt 16 000 DM (8 180,67 €) jährlich.
- 3. Fall: Im März 2001 meldet der Chefarzt einer Unfallchirurgie einen Betriebswegeunfall von Dr. M., Geburtsjahr 1939. Er ist freiwillig bei der BGW mit einer Versicherungssumme von 120 000 DM (61 355,03 €) versichert. Über den Unfall wird berichtet, dass der Arzt beim Verlassen der Praxis zu einem Hausbesuch auf dem Bürgersteig umgeknickt sei. Diagnose: Ausrissfraktur im Bereich des Malleolus lateralis links. Arbeitsunfähigkeit bestand vom 8. März bis 18. April 2001. Für diesen Zeitraum wurde Verletztengeld in Höhe von täglich 266,67 DM (135,35 €) gezahlt. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit wurde mit fünf Prozent festgestellt, das heißt, eine Rentenzahlung erfolgt in diesem Fall nicht.
Berufskrankheit/Arbeitsunfall kann jeden treffen
Ich meine, diese Beispiele aus dem ärztlichen Praxisalltag zeigen zum einen die Gefährdung, eine Berufskrankheit oder einen Arbeitsunfall zu erleiden, und zum anderen, welche wirtschaftliche Absicherung über die BGW gegen solche Ereignisse möglich ist. Die Beitragshöhe richtet sich nach der gewählten Versicherungssumme (Jahresarbeitsverdienst mit Höchstgrenze 72 000 € ab dem 1. Januar 2002), der Gefahrklasse (derzeit ein Faktor von 2,3) sowie dem Beitragsfuß. Ich kann nur jeder Kollegin und jedem Kollegen in selbstständiger Tätigkeit diese freiwillige Unfallversicherung anraten.
Prof. Dr. med. Rolf Bialas
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