ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2002Datenbanken: Ethik in den Biowissenschaften

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Datenbanken: Ethik in den Biowissenschaften

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): A-1472 / B-1232 / C-1150

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS An der Universität Göttingen wird ein internationales Netzwerk mit Informationssystemen zu bioethischen Fragestellungen aufgebaut.

Am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen entsteht zurzeit unter dem Namen EURETHNET (European Information Network Ethics in Medicine and Biotechnology) eine europaweit einzigartige Datenbank zur Ethik in den Biowissenschaften. Die Europäische Kommission in Brüssel fördert das Projekt, an dem 18 Institute aus neun europäischen Staaten (Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien, Schweden und Großbritannien) teilnehmen, zunächst für drei Jahre mit 1,1 Millionen Euro.
Die EU-Kommission will mit diesem Projekt nach eigenen Angaben dem wachsenden Bedarf nach Informationen über ethische Fragen in der Medizin und der Biotechnologie Rechnung tragen. Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, Lehrer, Schüler und andere Interessierte sollen sich in der Datenbank, die über das Internet zugänglich ist, informieren und am gesellschaftlichen Dialog über bioethische Probleme teilnehmen können. Jüngstes Beispiel ist die öffentliche Reaktion auf die im Bundestag geführte „Stammzelldebatte“, die das große Interesse von Politik und Öffentlichkeit an ethischen Fragen der Biowissenschaften gezeigt hat.
Bis zum Dezember 2004 soll ein Internet-Portal als Informationsnetzwerk und Wissensbasis entwickelt werden, das mehrsprachige Datenbanken zu Literatur, Forschungsprojekten und Experten zugänglich macht. Bereits vorhandene Informationssysteme in den einzelnen europäischen Ländern sollen dabei integriert und neue Systeme sukzessive ergänzt werden. Ziel ist es, Dokumentationsstandards und Dokumentationsverfahren auf europäischer Ebene zu harmonisieren, nicht jedoch die Inhalte der Informationen selbst. Nationale, regionale und lokale Besonderheiten sollen innerhalb der zu schaffenden europäischen Informations-Infrastruktur berücksichtigt werden. Das Ethik-Portal soll erstmals im Sommer dieses Jahres unter der Internet-Adresse www.eurethnet.org zur Verfügung stehen.
Das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Göttingen sowie die dortige Akademie für Ethik in der Medizin werden den Aufbau der Datenbank koordinieren. Die Göttinger Einrichtungen hatten bereits Anfang der 90er-Jahre die nationale Datenbank „Ethmed“ entwickelt, die später gemeinsam mit einigen anderen europäischen Ländern zum thematischen Datenbank-Netzwerk EUROETHICS (European Database Network on Ethics in Medicine) erweitert wurde. Diese soll jetzt mit der thematischen Datenbank ENDEBIT (European Database Network on Ethics in Biotechnology) und der Literaturdatenbank EuroBELIT (European Bioethics Literature Database) in das neue Projekt einfließen. Ebenfalls einbezogen wird das Europäische Bioethik-Kommunikations- und Informationssystem EuroBECIS (European Bioethics Communication and Information System).
Das Projekt soll dazu beitragen, die Verständigung über bioethische Begriffe und Probleme innerhalb Europas zu verbessern und Sprachbarrieren zu überwinden. Darüber hinaus soll auch der europäische Blick auf bioethische Fragestellungen in der internationalen Diskussion gestärkt werden, die bislang von der US-amerikanischen Dominanz in den Biowissenschaften bestimmt wird. KBr


Informationen: EURETHNET Project Office, Dr. Heiner Fangerau, Humboldtallee 36, 37073 Göttingen, Telefon: 05 51/
39 95 77, Fax: 05 51/39 39 96, E-Mail:
hfanger@gwdg.de
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